17. August 1897.

Von Leutnant Stadlbaur erhielt ich eine zierlich als Brosche in Gold gefaßte Löwenklaue, von einem Löwen, den er hier geschossen hat; ich habe ihm für dieses hübsche afrikanische Geschenk heute schriftlich gedankt. Der Besuch des Gouverneurs bietet unerschöpflichen Gesprächsstoff, wir sitzen zuweilen bis spät in die Nacht hinein und leben die bewegten, ereignisreichen Tage noch einmal in der Erinnerung durch. Auch Graf Fugger leistet uns oft Gesellschaft. Gestern abend haben wir den neuen Zahlmeister und den neuen Pater „angefeiert“. Die Stimmung war deshalb besonders froh, weil aus Bueni gute Nachrichten eintrafen; die Bewohner kehren allmählich wieder in ihre Temben zurück.

Sechstes Kapitel.
Auf Safari. Beendigung des Wahehe-Aufstandes und Quawas Tod.

Am 11. November 1897.

Schwere Wochen liegen hinter uns, ich war sehr krank — am 18. August traten die ersten Anzeichen einer schweren schmerzhaften Leberentzündung auf, die mich wochenlang ans Bett fesselte. Gott sei Dank, es bildete sich kein Leberabszeß, so daß die gefürchtete Operation nicht nötig wurde. Allein die furchtbaren Schmerzen, die zeitweise kaum durch die vierzehn Tage lang regelmäßig angewandten Morphiumeinspritzungen bewältigt werden konnten, hatten mich sehr mitgenommen. Und mein armer Mann! Zu allen Sorgen und Lasten des Tageslaufs nun noch der einzige Pfleger seiner schwer kranken Frau! — Als ich wieder mich in Haus und Garten bewegen konnte, war Tom selbst so gründlich herunter, daß er notgedrungen einmal ein paar Tage ausspannen mußte.

Am 11. Oktober gingen wir auf Safari, d. h. wir zogen für drei Tage „auf Sommerfrische“ in die Berge. Das waren drei herrliche Tage, in denen kein Schauri, kein Dienst, kein Berichtschreiben unsere Ruhe störte. Unsere Askaris und Träger wurden stets nach dem jeweiligen Lagerplatz vorausgesandt, und wenn Tom und ich dann nach kürzerer oder längerer Wanderung durch die herrliche Landschaft ankamen, fanden wir Zelt und Kochplatz bereits fertig vor. Abends bot dann unser Ruheplatz ein besonders malerisches Bild; wenn sich die abenteuerlichen Gestalten unserer Begleitung um das hellodernde Wachtfeuer drängten. Für diese drei Tage war die unausgesprochene Losung: „pole pole“, d. h. ruhig, mit Bedacht! — keine Überstürzung — ganz im Gegensatz zu unseren sonstigen Safaris, wo meist alles Hals über Kopf gehen mußte. Aber so ein „take it easy“ hat doch seine großen Reize, man kommt erst eigentlich zum Bewußtsein der herrlichen Gotteswelt, in der wir uns bewegen; welche Farbenpracht der Vegetation, welche Mannigfaltigkeit der Linien, in denen Berg und Tal sich abheben, jeder Baum, jeder Felsen von anderer Form wie sein Nachbar, oft grotesk und allem mir bisher Bekannten spottend — und doch: welche Harmonie liegt über diesem Gesamtbild! Vor unserem Zelte ein frisch dahinströmender Gebirgsfluß, dessen Rauschen unwiderstehlich lockt, als Abschluß des Bildes die dunkle Wand des Urwaldes. Und dazwischen wir munteren Menschenkinder, die wir in dieser grandiosen Natur Erholung suchen nach sorgenvollen Tagen! Wahrlich, nirgends fühlt man sich seinem Schöpfer näher, als inmitten seiner gewaltigen Werke....