25. Dezember 1897.

Den heiligen Abend verlebten wir froh, ich mit besonders dankbarem Herzen. Auf der Veranda brannte der Christbaum; leider waren die bestellten Weihnachtsgeschenke nicht eingetroffen. An die Herren auf den verschiedenen Außenposten, Hauptmann v. Prittwitz, Förster Ockel, nach der Mission, an Unteroffizier Buchner hatte ich Marzipan, Kuchen und Pfeffernüsse geschickt, an den Leutnant Kuhlmann eine gebratene Ente, so daß möglichst jeder unserer deutschen Landsleute eine kleine Weihnachtsfreude haben sollte. Wir hatten diesmal auch die Unteroffiziersmesse eingeladen und waren bei Bowle und Abendessen recht vergnügt.

5. Januar 1898.

Neujahr verlebten wir still für uns. Was wird das neue Jahr bringen? — Gestern, an unserem Hochzeitstage, marschierte Tom ab, genau zu derselben Stunde, in der wir vor zwei Jahren unseren Traualtar aufstellten.... Quawa hatte am 28. Dezember ein Gefecht mit unseren Wahehe gehabt und 39 von ihnen erschlagen, er selbst verlor nur 3 Mann. — Am 1. Januar Alarm, weil Unteroffizier Schubert und der Dolmetscher unweit der Mission Gewehrschüsse und Weiber- und Kindergeschrei gehört hatten. So fing das Jahr für uns an.

Am 2. Januar traf Hauptmann Ramsay bei uns ein, der auch gestern abmarschierte. Es war mir eine Freude, einmal einen unserer „alten Afrikaner“ kennen zu lernen. Nachts wurde wieder alarmiert.

7. Januar 1898.

Tom schickte die Zelte und Feldbetten zurück sowie alles Entbehrliche — wie wird es ihm nun bei der Regenzeit an allem fehlen. Ich fühle mich krank vor Sorge und Aufregung. Sie folgen jetzt der Quawaspur. Dr. Stierling hat schon seine chirurgischen Bestecke verpackt, um bei der ersten Nachricht von einem Gefechte aufbrechen zu können. Jede Nacht wird die Station alarmiert; diese ununterbrochene Aufregung geht an die Nerven. Gestern hatte ich Pater Ambrosius als Gast — seine Nachrichten lauteten auch nicht gerade beruhigend: an dem kleinen See in der Nähe der Mission ist wieder ein Araber mit 15 Chakula-Trägern ermordet worden. Die Lebensmittel werden jetzt sehr teuer, und wenn nun auch noch die Heuschrecken einfallen sollten, die ich schon in dichten Wolken über uns hinwegziehen sah, dann haben wir die Hungersnot im Lande. Im Garten habe ich täglich zwei Weiber, die mit leeren Petroleumkannen einen Heidenlärm vollführen, um die Heuschrecken abzuhalten. Meine Mädels müssen jetzt auch tüchtig mit im Garten und Feld helfen, dafür brennen sie mir abends gern durch, um sich herumzutreiben, wie z. B. gestern abend. Nachmittags war ich zum Griechen gegangen, um einige Einkäufe zu machen, als ich in der Ferne Trommelschlag hörte: Tom kehrte mit seiner Truppe zurück! Morgen ist sein Geburtstag, ich hatte mich schon in den Gedanken eingelebt, den Tag ohne ihn verbringen zu müssen!

Über den Verlauf seines Zuges erzählte Tom mir etwa folgendes:

Es war ihm gemeldet worden, Quawa beabsichtige einen Einfall in das Tal Makaneras, wo er große Rinderherden wußte; auf dem Marsche dorthin hatte er unsere 39 Wahehe bei einem Überfalle erschlagen, deren Leichen Tom am Ruaha-Übergange noch vorfand. Nun änderte Quawa seinen Plan; Tom hatte durch Überläufer die Lager von Quawas Leuten ermittelt und ging mit Feldwebel Merkl und Hammermeister, 130 Soldaten, 160 ausgesucht tüchtigen Wahehe und dem Maximgeschütz am 4. Januar nach dort ab. Eine neue Meldung, die sich aber als falsch herausstellte, verursachte zunächst einen Zeitverlust von 48 Stunden, auch mußte Tom sicherheitshalber einige Soldaten und 60 Wahehe von seinen Leuten abzweigen.