In ununterbrochenem 21stündigen Marsche, bei strömendem Regen, erreichten sie am 7. Januar Quawas Lager, dasselbe lag westnordwestlich von Viransi in der Landschaft Quihangana auf hohen, mit breiten Waldstreifen umgebenen Hügeln, übrigens sonst in ziemlich übersichtlichem Gelände. Des Dickichts wegen konnte nur der Zugangsweg für den Angriff benutzt werden, dessen letztes Stück einen dicht überwachsenen Laubtunnel bildete. Das Lager selbst bestand aus etwa 250 im Dickicht verstreuten erbärmlichen Hütten, die so gut versteckt waren, daß sie erst aus allernächster Nähe zu sehen waren; so war es den Bewohnern leicht, beim ersten Alarm im Pori zu verschwinden.
Kaum waren unsere Leute, Tom und Merkl voran, aus dem Laubtunnel in das eigentliche Lager eingedrungen, als sie sofort heftiges Feuer aus Gewehren Modell 71 erhielten. Im Laufschritt nahmen unsere Wahehe den Angriff auf und stürmten in das Lagerdorf, welches schnell geräumt war. Vom Feinde fielen 19 Mann, darunter drei sehr wichtige Wasagira; unter den gefangenen 100 Weibern und Kindern waren ein Sohn und zehn nahe Verwandte Quawas. Die Leute sahen erbärmlich abgemagert aus; im ganzen Lager, das an 1000 Insassen gehabt, fand sich nicht eine Last Getreide vor. Zuletzt hatte Quawa überhaupt nur noch von der Jagd gelebt; er soll kürzlich an 30 Elefanten erlegt haben, um für sich und seine Anhänger Lebensmittel zu haben.
Quawa selbst entkam wieder. Tom erbeutete aber sein letztes Besitztum: seinen Patronengürtel aus Otterfell, einen Speer und eine Anzahl Lendenschurze und Halsschnüre aus Perlen von seinen Weibern und Kindern. Unsere Wahehe haben sich bewährt, sie gingen mit solcher Wut gegen die Quawaleute vor, daß sie von Greueltaten und Grausamkeiten zurückgehalten werden mußten.
Das ist ein großer Erfolg, umso mehr, als dem Volk durch diesen Angriff auf das von dem gefürchteten Sultan selbst befehligte Lager nun ein gut Teil von dessen Nimbus des Unbesiegbaren geschwunden ist. Patrouillen, die Tom zur Ermittelung von Quawas Aufenthalt ausschickte, bestätigten die Mitteilungen unserer Gefangenen: Quawa tritt jetzt persönlich in den Kampf, den er mit aller Verzweiflung nun um seine Existenz führt. Jedes Gefecht kostet ihn einige seiner Anhänger, ein Verlust, den er nie mehr ersetzen kann.
12. Januar 1898.
Mein Leberleiden macht sich wieder fühlbar; ich suche ihm mit Karlsbader Salz beizukommen. Der Frühspaziergang, der zu dieser Kur gehört, wird zur Inspizierung der Station benutzt, da ich meinen Mann auf seinem Rundgang begleite.
Die Moschee ist beinahe fertig, es fehlen nur noch die Türen. Zum Beginn des Ramassan soll sie den Arabern übergeben werden. Schon jetzt bitten sie Tom, er möge die heilige Stätte nur noch unbeschuht betreten. Das Fundament für das Hospital ist gelegt; bis jetzt diente eine geräumige, von einem schönen schattigen Baum überschattete Hütte als solches; auch eine geräumige Schauri-Hütte ist bereits in Angriff genommen, halbkreisförmig mit einer nischenartigen Ausbuchtung für den Tisch des Schauri-Leiters, der von da aus sämtliche Anwesende gut übersehen kann. Sobald die Moschee fertig ist, geht es an den Bau einer Markthalle.
Auf der Station wimmelt es von Wahehe, die gleich Tom auf sichere Meldungen warten, um die Quawa-Jagd wieder aufzunehmen. Es ist wirklich viel von den Leuten, trotz der Erntezeit hier wochenlang untätig zu liegen, während auf ihren Schambas die Feldfrüchte der Ernte entgegenreifen. Ihre Anhänglichkeit an Tom hält stand; Dr. Stierling sagte noch gestern: wer weiß, wie sich die Wahehe nach Toms Abgang stellen würden; sie haben sich ihm persönlich unterworfen, und es liegt nahe genug, daß sie seinem Nachfolger auf der Station sich nicht so botmäßig zeigen werden. Dr. Stierling sieht wohl zu schwarz, immerhin bereitet Tom die Wahehe jetzt schon darauf vor, daß er demnächst die Station verlassen werde.
Am 23. ging Leutnant Orthmann nach Idunda ab.