Ein anderes Verhör brachte etwas zu Tage, was Tom längst vorausgesehen hatte: 26 von Unteroffizier Lachenmeyer eingebrachte Leute waren Spione Quawas! Auf seinen Befehl hatten sie sich unterworfen, um ihren Herrn mit dem Ertrage unserer Felder zu versorgen und ihm genaue Angaben über die Stärke der einzelnen Stationen und detachierten Posten zu machen. Dann sollte an einem bestimmten Tage der große Schlag gegen uns geführt werden! Gott sei Dank, daß wir die Möglichkeit eines solchen Überfalles niemals außer acht gelassen haben — was wäre aus uns geworden, wenn Tom im Gefühl scheinbarer Sicherheit die schärfste Beaufsichtigung unserer neuen Ansiedler und Zuzügler nicht so streng durchgeführt hätte.
Unter diesen Spionen waren auch die Anführer des Überfalles von Mtandi und der Mörder des unglücklichen Karsjens; sie waren dem Feldwebel Merkl als Patrouillenführer mitgegeben worden; kein Wunder, daß der Streifzug keinen Erfolg hatte. Karsjens hatte, wie sich nun herausstellt, einen Schuß durch beide Oberschenkel erhalten, der ihn niederstreckte, den von seinem Boy auf dem Feldbette niedergelegten Wehrlosen hat der Mörder mit zwei Speerstichen in die Brust getötet.
Unsere Leute sind furchtbar erbittert; als für einen sofortigen Streifzug unter Unteroffizier Schubert „Freiwillige vor!“ kommandiert wurde, traten unsere Askaris sämtlich wie ein Mann vor.
10. Februar 1898.
Heute marschierte Herr v. Prittwitz ab nach Himbu; Bauleiter Selling ist nach Kuifuri, um dort nach Holzarten zu suchen, denen die Bohrkäfer nichts anhaben können. Auf der Station wimmelte es von gefangenen Weibern, aber auch halbverhungerte Träger finden sich ein; von Förster Ockels Karawane sind hier schon 16 Mann eingetroffen.
12. Februar 1898.
Jetzt ist kein Halten mehr; einer der Führer hat Quawas Lagerplatz verraten! Tom benachrichtigte sofort alle von der Station abkommandierten Europäer, er selbst zog sofort los (nur ein Unteroffizier bleibt hier). Zunächst bis Ndéuka, in der Nacht geht’s dann weiter, so daß bei Tagesanbruch das Lager überfallen werden kann. Gott gebe ihm diesmal Erfolg, damit endlich diese furchtbare Aufregung aufhört, der ich auf die Dauer doch nicht gewachsen bin.
8 Männer kommen mit 48 Weibern, um sich zu unterwerfen.
13. Februar 1898.
Aus der Nachmittagsruhe wurde ich durch Lärm auf der Veranda gestört. Zuerst glaubte ich, es sei Tom, und rannte hinaus, fand mich aber einem schwarzen Ehepaare gegenüber; es war schwer zu sagen, wer von beiden am betrunkensten war, der Mann oder die Frau; diese war von ihrem Gatten dermaßen geschlagen worden, daß ihr das Blut am Körper herunterlief, bei mir hatte sie Schutz suchen wollen. Ich nahm ihr das Kind ab, das jeden Augenblick in Gefahr war, ihr vom Arme zu fallen, und warf beide Eltern schleunigst hinaus; dann brachte mir ein Suaheli noch ein weinendes Kind, welches nach mir verlangt hatte. Es ist ein unruhiges Leben auf der Station, eine unheimliche Aufregung hat sich aller bemächtigt; auf der Wache können sie kaum alle die Männer und Frauen unterbringen, die täglich eingeliefert werden.