17. Februar 1898.
Gestern kam Feldwebel Merkl mit vielen Gefangenen zurück; er ist krank und elend, die Strapazen dieses Marsches bei Tag und Nacht haben den kräftigen, kerngesunden Mann entsetzlich mitgenommen. Was unsere deutschen Unteroffiziere hier leisten müssen, davon macht man sich in Deutschland keinen Begriff, aber sie sind mit einem Pflichteifer und mit einer Liebe zur Sache dabei, die höchste Anerkennung verdienen.
Da ich am 14. keine Nachricht von Tom erhielt, muß ich annehmen, daß sein Zug erfolglos war. Heute kommt auch die Bestätigung.
18. Februar 1898.
Von Quawas Anhängern macht sich besonders Kolakola bemerkbar; er hat unsere Leute bei Kissinja überfallen und sich dann in unserem Tale, unweit der Station, Eßvorräte geraubt; dann überfiel er, nach Toms Abmarsch, Lula, schleppte mehrere Kinder fort und erschlug neun Leute. Was mir am meisten Sorge macht, ist, daß Tom einem solchen unvorhergesehenen Überfall auf dem Marsche zum Opfer fallen kann. Einer seiner besten Wahehe erhielt von einem im Grase versteckten Feind einen Speerstich in den Oberschenkel, an welchem er verblutete.
23. Februar 1898.
Tom kam sehr elend zurück. Das Kommando hat er Herrn v. Prittwitz übergeben, da der Hauptteil des Zuges erledigt.
26. Februar 1898.
Großer Ramassan mit der üblichen Gratulationscour. Zuerst kommen die schwarzen Händler; sie werden von Tom zur Rede gestellt, weil sie sich geweigert hatten, unsern Askaris den Mais für 5 Rupien zu verkaufen; sie verbrauen den Mais nämlich lieber zu Pombe (pombe = eigentlich Bier aus Hirse) und verdienen am Sack dann 15 bis 20 Rupien. Dann erscheinen die Araber und Beludschen, die ich mit Tee, Kaffee und Schokoladenplätzchen bewirte. Wir waren in nichts weniger als festlicher Stimmung — sollte doch noch an demselben Tage das Urteil an den vom Kriegsgericht zum Tod durch den Strang Verurteilten vollstreckt werden! Von den zwölf Verurteilten waren drei begnadigt worden.
Nachmittags kamen sämtliche Sudanesenfrauen, 36 an der Zahl! alle in ihrem schönsten Staat, mit silbernen Ketten und Armringen von riesigem Umfang und großen Silberdosen als Anhängsel, in denen sie ihre dawa (Medizin, Zaubermittel) bewahren. Mit ihren faltigen, farbigen Gewändern und weißen Tüchern über den schwarzen Gesichtern bilden sie wirklich malerische Gruppen. Sie werden wie die Araber mit Tee, Kaffee und allerlei Süßigkeiten bewirtet, ebenso wie diese ihre Sandalen ablegen, ziehen auch sie vor dem Eintritt in mein Zimmer ihre Schuhe aus.