6. März 1898.
Seit dem 27. Februar liegt Tom an schwerem Bronchialkatarrh zu Bett; inzwischen kam Leutnant Orthmann zurück, er hat sich einen tüchtigen Gelenkrheumatismus geholt, mit dem er drei Wochen lang sich durch die unwegsamen Berge schleppen mußte; heute kam noch Dr. Stierling, mit ihm Leutnant Kuhlmann, der an Milzanschwellung mit starkem Fieber leidet. Sergeant Richter laboriert an seiner Schußwunde, die Wunde eitert noch, und zuletzt wird Lazarettgehilfe Schuster von der 3. Kompagnie auch noch krank, starker Bronchialkatarrh mit hohem Fieber. Von den acht Europäern der Station sind nur zwei gesund.
Tom hat jetzt eine annähernd genaue Liste von Quawas Anhängern aufgestellt: Es müssen deren jetzt noch etwa 250 sein. Sein Häuptling Kimulimuli, der sich seinerzeit mit Mpangire gestellt hatte, dann aber wieder heimlich zu Quawa zurückging, ist jetzt bei diesem gestorben; seine Frau hat sich dann erhängt, um ihrem Herrn und Gebieter in den Tod zu folgen. — Als Mpangire noch Sultan war, sollen diese und Kimulimuli den zur Unterwerfung bereiten Quawa mit Gewalt davon abgehalten haben. Wie viel Blutvergießen wäre vermieden worden, wenn Quawa damals mit Tom persönlich hätte verhandeln können.
9. März 1898.
Vorgestern kamen unsere Wahehe von der Expedition zurück. Ich freute mich, das Gaunergesicht unseres braven Farhenga wiederzusehen; gestern trafen der neue Zahlmeister und ein Unteroffizier für die 6. Kompagnie ein; auch Offenwanger soll mit dorthin gehen. Da bleibt also der Doktor allein zurück — über Mangel an Beschäftigung wird er nicht zu klagen haben, er hat hier für vier bettlägerige und zwei revierkranke Europäer zu sorgen — abgesehen von den Schwarzen. Richter mußte operiert werden; es wurden sehr große Knochensplitter aus der Wunde entfernt.
10. März 1898.
Heute besuchten Tom und ich den kranken Leutnant Orthmann. Um jede Zugluft abzuhalten, sind die Wände der Strohhütte ganz dicht verstopft worden; so kann der arme Patient sich nicht einmal die Zeit mit Lesen vertreiben. Wir haben ihm in der Boma ein luftiges, lichtes Zimmer herstellen lassen, damit er dort seine Krankheit leichter übersteht.
Mein Name wird hier schon als Machtmittel mißbraucht! Von unseren Wahehe wird mir gemeldet, daß 20 Händler und Träger nebst zwei Eseln in der Gegend umherziehen und von den Leuten Chakula eintreiben — und zwar in meinem Namen! Tom schickte sofort eine Askari-Patrouille hinter ihnen her, die die Kerle auch richtig abfaßte. Heute erscheinen sie de- und wehmütig und spielen die reuigen Sünder. Zunächst müssen sie den Eigentümern die gestohlene Chakula bezahlen und dann erhalten sie wegen Mißbrauchs meines Namens pro Mann 25 Hiebe. Das hat hoffentlich gewirkt.
Von Quawas nächster Umgebung, seiner Leibgarde, stellten sich heute drei Mann mit Gewehren Modell 71. — Das Ende des Gefürchteten naht!
15. März 1898.