2. April 1898.

Der 1. April brachte mir eine freudige Überraschung: Tom kam zurück. Sein Plan war richtig: die Quawaleute sammelten sich auf einem Maisfelde, um Chakula zu holen; sie wurden überfallen, und in dem Kampfe fielen die meisten von Quawas letztem Anhange, viele wurden gefangen, und der Rest ist dermaßen zersprengt, daß es nicht mehr lohnte, sie weiter zu verfolgen. In die Freude über Toms glückliche Rückkehr mischte sich auch ein gut gemessen Teil Stolz, daß es wiederum mein Gatte war, der unsere schlimmsten Gegner in ihrem eigenen Lager angegriffen.

6. April 1898.

Gestern feierten wir Leutnant Kuhlmanns Geburtstag; früh sandte ich ihm eine Sandtorte und einen Likörbecher, mittags waren der „Jubilar“ sowie Herr v. der Marwitz und der neue Zahlmeister unsere Gäste. Ich bin mit meinem Koche schon so eingefuchst, daß unsere afrikanischen Diners immer vorzüglich klappen! Von der Arbeit macht eine deutsche Hausfrau sich freilich keine Vorstellung.

Heute traf ein Mann auf der Station ein, dem Quawa früher einmal die Hände und Ohren abgeschnitten und ihn derart verstümmelt an seinen Sultan zurückgesandt hatte, um diesem die Strafe für Verräter ad oculos zu demonstrieren!

Mittags 12 Uhr marschierte Tom wieder ab; Herr v. der Marwitz und Sergeant Richter, dessen Wunde noch immer nicht ganz verheilt, begleiteten ihn: auf den Feldern von Iringa sind Spuren gefunden worden, die auf Quawa deuten. Es sollen nur drei kleine Lasten mitgenommen werden, da muß ich genau überlegen, welche Stücke unumgänglich nötig, welche entbehrlich sind.

Karfreitag.

Ich feierte den „stillen Freitag“ in Wahrheit in aller Stille — Gott gebe meinem Manne den langersehnten Erfolg, damit das Land nach jahrelangen Kämpfen endlich zum Frieden komme! — Ein gutes Anzeichen: kurz nach Toms Abmarsch stellte sich ein Krieger aus Quawas nächster Umgebung! Tom ist auf der richtigen Spur; damit unser Todfeind diesmal nicht ausbrechen kann, marschieren Merkl und Hammermeister, die eben erst von einem Zuge zurückkamen, gleich wieder in den von Tom ihnen bezeichneten Richtungen ab; überall sieht man die Signalfeuer unserer Wahehe: das Wild ist umstellt!

Als Belohnung für die Einlieferung Quawas hat das Gouvernement große Elefantenzähne im Preis von 5000 Rupien ausgesetzt, die hier für jedermann zur Ansicht ausliegen.