Um so erfreulicher blüht Handel und Wandel jetzt nach des Unruhestifters Tod. Tom unterschreibt soeben wieder einen Scheck; in diesem Monate haben die Händler bereits 16000 Rupien in die Stationskasse eingezahlt. Das ist für unser Iringa doch gewiß ein schöner Umsatz. Auch die Bautätigkeit ist rege.
Meinen Geburtstag mußte ich ohne Tom verleben, aber trotzdem ging es hoch her! Schon früh am Morgen war alles bekränzt. Dann kamen der Wali mit den Honoratioren, der Effendi namens der Kompagnie, sämtliche Europäer und Abordnungen von Frauen der Askaris, der Fundis, Farhengas große Bibis, kurz, die Gratulanten nahmen kaum ein Ende. Abends besuchten mich dann zu meiner Freude die am 18. August hier angelangten Schwestern, mit denen ich noch einer Einladung nach der Messe folgte; dort wurde ich auch angefeiert. In der Stadt und im Askaridorfe herrschte lustiges Treiben an allen Ecken und Enden, mit Tanzen und Jubeln. Die Schwestern blieben bis zum nächsten Nachmittage; ich hatte aus unserer Vorratskammer mit Hilfe von Decken und Zeug ein hübsches Zimmerchen für sie hergerichtet. Auf Toms dringenden Wunsch sind uns diese vier Schwestern bewilligt worden, der Präfekt Maurus[9] brachte sie uns selbst. Ich empfing die willkommenen Gäste mit einem feinen Diner und mit Sekt; dem Präfekten ließ ich einen Rosenstrauß überreichen; von dem Empfange waren sie sichtlich gerührt. Die Schwestern erzählten mir, daß die Schwarzen ihnen schon viel von der weißen Bibi erzählt hätten, die in Iringa wohne, die lesen und schreiben könne, stets einen Revolver bei sich trage, sehr langes Haar und nur einen Mann habe. Daß die vier neuen Bibis auf der Station großes Aufsehen erregten, ist natürlich; ich hatte große Mühe, unseren Leuten beizubringen, daß die Schwestern nicht die Frauen der Patres von der Mission seien.
21. September 1898.
In unserem Garten liegen große Stapel von Holzstämmen; die Wahehe verdienen sich das erste Geld, was sie je in Händen gehabt, mit Baumfällen; sie sind so eifrig dabei, daß sie mehr anbringen, wie für die Dachbauten voraussichtlich nötig sein wird. Je nach der Güte der Stämme erhalten sie ihre Pesas, die sie vergnügt in der Stadt beim Händler schleunigst wieder ausgeben.
Diese Förstertätigkeit macht viel Arbeit, jeder Stamm muß besichtigt werden, und dann zahlt Tom auch den Leuten selbst aus. Am meisten beschäftigt ihn jetzt die Steuerfrage! Die Wahehe haben ihre Steuern reichlich durch Kriegsdienst und Straßenbau abgeleistet, ebenso die meisten Einwohner unseres Bezirkes. Nur die Leute am Ruaha, die Wapawegas und andere, die für körperliche Anstrengungen zu schlaff sind und denen der Chakula sozusagen in den Mund wächst, sollen eine Naturaliensteuer entrichten. Von den Stadtleuten wird eine Hüttensteuer erhoben.
3. Oktober 1898.
Heute ist unser Freund Kiwanga[10] wieder abgezogen; er kam am 28. v. M. mit seiner großen Bibi auf Besuch zu uns; wir besuchten ihn auch einigemal in seiner Tembe. Ein Versuch, sein ausgesprochen jüdisches Profil durch einen Schattenriß an der Wand zu verewigen, scheiterte an seiner Beweglichkeit, der photographischen Kamera entging er aber auch diesmal nicht, trotz seiner herzbewegenden Klage: „Ach Bibi, jeder Europäer macht Bilder von mir, ich werde alle Tage photographiert.“ Als ich ihm aber die Bilder zeigte, die ich früher von ihm und seinem Kriegslager aufgenommen hatte, geriet er doch in die freudigste Aufregung. Auch unser braver Schnapsel war in diesen letzten Wochen krank, ein großer Hund hatte ihn in den Hals gebissen; dank der liebenswürdigen Bemühungen Dr. Drewes und unserer sorgsamen Pflege kam er wieder zu Kräften; wir hätten den treuen Hausgenossen doch schwer vermißt. Dem Hühnerstalle hat ein Leopard einen nächtlichen Besuch abgestattet und 7 Enten mitgenommen; ich glaubte erst, es seien Diebe gewesen, heute nacht hat er aber wieder einige 30 totgebissen und zum Teil gefressen, auch meine Puten sind verschwunden; deutliche Spuren und vereinzelte Federn verrieten aber, daß hier ein zweibeiniger Spitzbube auf Konto seines vierbeinigen Kollegen gearbeitet hat.
11. Oktober 1898.