Achtes Kapitel.
Abschied von Iringa. Auf der Heimreise.

Iringa, 25. September 1899.

Starkes Erdbeben. Wie die Wahehe erzählen, werden Erdstöße hier öfter beobachtet. In der Tat hatten solche auch in den Tagen nach Quawas Tod, vor Jahresfrist etwa, stattgefunden; dieses Naturereignis war damals von den Wahehe mit dem politischen Ereignis des Todes des gewaltigsten Negersultans in ursächlichen Zusammenhang gebracht worden.

Am 22. November traf die Genehmigung von Toms Urlaubsgesuch ein. Seit der Rückkehr von unserer Safari, am 21. Juni, war ich krank, wochenlang nicht imstande, das Bett zu verlassen, es war eine furchtbare Zeit. Auch Toms Gesundheit war infolge der Strapazen der letzten Jahre so erschüttert, daß er, wenn auch schweren Herzens, den schönen Beruf, dem er mit Leib und Seele angehörte, wohl aufgeben müssen wird. Ein längerer Urlaub in der Heimat wird, so Gott will, uns beide wieder für die Aufgabe stärken, die wir uns infolgedessen gestellt haben: fernerhin als deutsche Landwirte und Kolonisten in diesem Lande zu wirken. — Nun geht es ans Einpacken. Die Hauptsorge, wo bleiben meine Totos, meine kleinen schwarzen Pflegekinderchen, ist auch glücklich gelöst. Missionar Neuberg wird sie bis zu unserer Rückkehr in Pflege nehmen.

Weihnachten.

Den heiligen Abend verlebten wir still für uns. Die beiden Feiertage folgten wir einer Einladung nach der katholischen Mission, wo die erste Taufe an erwachsenen Eingeborenen stattfand. Abends hatten die lieben Schwestern der Mission es sich nicht nehmen lassen, uns einen Weihnachtsbaum zu schmücken, sie und Pater Severin hatten allerhand hübsche Weihnachtsüberraschungen für uns in Gestalt von geschnitzten Holzgeräten, wie Näpfe, Löffel und dergleichen, in deren Anfertigung die Wahehe sehr geschickt sind.