Übergang über den sehr breiten, aber nicht tiefen Ruaha, in etwa 500 Meter Meereshöhe. Der Abstieg zum Teil ungemein steil, die Hitze nimmt zu. Die Vegetation zeigt schon ein ganz anderes Bild; die herrlichen Pelargonien, die in Irole so üppig wuchsen, daß ihre Blüten die Hügel und Abhänge ringsum wie mit Rosa überzogen erscheinen ließen, sind verschwunden. Der gestrige Todesfall hat bös auf die allgemeine Stimmung gewirkt, heute sind uns zwei Träger fortgelaufen; die Hitze wird immer fühlbarer; der schöne Algierwein, der all die Jahre über unsere Freude und Stolz gewesen, will nicht mehr schmecken, dagegen steigt der beinahe verächtlich behandelte Moselwein in unserer Sehnsucht; überhaupt kommt alles Saure und vor allem Früchte zur Geltung, während uns Fleisch anwidert.
Unter dem Allerleirauh unserer Karawane zeichnet sich ein Wanjamwesi-Ehepaar aus; sie hilft ihrem Manne beim Tragen der Last, im Lager geht sie mir viel zur Hand; ein angenehmer Gegensatz zu den meist so faulen Weibern unserer Soldaten. Die Jumben mit ihrem Anhange, die uns hier besuchen, zeigen auch schon einen von den schneidigen Wahehe in den Uhehebergen ganz verschiedenen Typus; Jumbe Musaka von Marore, der heute im Lager war, machte ganz den Eindruck eines alten, gemütlichen Bierphilisters; nichts mehr von jenem stolzen, natürlichen Selbstbewußtsein, das unsere stattlichen Wahehe so ungezwungen zur Schau trugen; das heiße Klima der Ebene erschlafft.
8. Januar 1900.
Wir passierten das Dorf Marore; hier waren die Hütten schon alle aus Stroh gebaut, nichts erinnert mehr an die Bergstämme von Uhehe. Das Land ist von üppigster Fruchtbarkeit, wir sehen viele Ziegen, aber keine Rinder.
Kisenguana, 9. Januar 1900.
Toms Geburtstag! Mein armer Mann ist leider wieder sehr elend, das Fieber hat ihn auf unserem Marsche noch kaum einen Tag verschont. So feierten wir den Tag recht still.
Ndisi (auf Deutsch „Bananen“), 10. Januar 1900.
Leider sind die Bananen noch nicht reif. Sehr zustatten kommen uns die Rasthäuser, die auf der Strecke angelegt sind, man findet nach dem heißen, anstrengenden Marsche doch gleich einen schattigen, kühlen Aufenthalt unter dem Schutze dieser weiten Strohdächer; die ganze Karawane, Menschen und Vieh, drängt sich um diesen gegebenen Mittelpunkt zusammen.
Mangatua, 11. Januar 1900.