Fräulein, anständ., 24 Jahre, sucht hübsches Fräulein als Freundin. Offerten unt. Nr. 3654 an die Exped. erbeten.


Dame, 36, wünscht freundschaftlichen Verkehr. Postamt 16, „Plato“.


Herzensfreundin, nette, sucht geistvolle, lebenslustige Dame, 23. Psyche, Postamt 69.


Suche gebild. Freundin, Anfang 30, am liebsten Blondine. Off. u. H. R. 1622 Exp. d. Bl.


Schneiderin, 22, wünscht „Freundin“, Postamt 33.


Wie jede Großstadt, hat auch Berlin neben der weiblichen eine männliche Prostitution. Beide sind eng verwandt durch Abstammung, Wesen, Ursachen und Folgen. Hier wie dort kommen stets zwei Gründe zusammen, von denen bald der eine, bald der andere den Ausschlag gibt: innere Anlagen und äußere Verhältnisse. In denjenigen, die der Prostitution anheimfallen, ruhen von Jugend an bestimmte Eigentümlichkeiten, unter welchen ein mit dem Hang zur Bequemlichkeit verbundener Drang zum Wohlleben am deutlichsten hervortritt. Sind bei diesen Eigenschaften die äußeren Verhältnisse günstig, sind namentlich die Eltern vermögend, so verfallen die jungen Leute nicht der Prostitution; tritt aber häusliches Elend hinzu, kümmerlicher Lebensunterhalt, Arbeits- und Stellungslosigkeit, Mangel an Unterkommen und womöglich die größte aller Sorgen, der Hunger, dann halten wohl von Natur aus stabile, in sich gefestigte Charaktere stand, die labilen aber suchen die nie fehlende Versuchung, sie erliegen und verkaufen sich, trotz der Tränen der Mutter.

Es gibt Menschenfreunde, die die Besserung von der Freiheit des Willens und andere, die sie vom Zwang der Verhältnisse erwarten; nach Erziehung und Religion verlangen die einen, nach dem Zukunftsstaat die anderen. Beide sind zu optimistisch. Wer helfen will, muß innen und außen ansetzen, die Verhältnisse zu bessern trachten, daß kein Mädchen und kein Jüngling es nötig hat sich zu verkaufen, und die Personen bessern unter besonderer Rücksicht der Vererbungsgesetze, daß niemand die Neigung verspürt, sich als Ware feilzubieten.

Ihr sagt, das ist nicht zu erreichen, ich aber meine, nur was man aufgibt, ist verloren.

Das Arbeitsfeld der Prostitution ist die Straße; bestimmte Gegenden und Plätze, die sogenannten „Striche“. Ein Homosexueller zeigte mir einmal einen Plan von Berlin, auf dem er diese mit blauen „Strichen“ versehen hatte; die Zahl der so bezeichneten Stellen war keine geringe.

Seit alters spielt auf diesem Gebiete der Tiergarten in einigen seiner Partieen eine besondere Rolle. Es gibt wohl keinen zweiten Wald, der so mit Menschenschicksalen verwoben ist, wie dieser über 1000 Morgen große Park.

Nicht seine landschaftlichen Schönheiten, nicht der künstlerische Schmuck, der Menschen Leben, Lieben und Leiden verleihen ihm seine Bedeutung. Vom frühen Morgen, wenn die Begüterten auf den Reitwegen ihr Herz entfetten, bis zum Mittag, wenn der Kaiser seine Spazierfahrt unternimmt, vom Frühnachmittag, wenn im Parke tausend Kinder spielen, bis zum Spätnachmittag, wenn sich das Bürgertum ergeht, hat jeder Weg zu jeder Jahreszeit und jeder Stunde sein eigenes Gepräge. Hätte Emile Zola in Berlin gelebt, ich zweifle nicht, daß er diesen Forst durchforscht und von dem, was er wahrgenommen, ein Werk von der Wucht Germinals geschaffen hätte.

Wenn es aber Abend wird und sich anderen Welten die Sonne neigt, mischt sich mit dem Hauch der Dämmerung ein Hauch, der suchend und sehnend aufsteigt aus Millionen irdischer Wesen, ein Teil des Weltgeistes, den manche den Geist der Unzucht nennen, und der doch in Wahrheit nur ein Bruchstück der großen gewaltigen Triebkraft ist, die, so hoch wie Nichts und so niedrig wie Nichts, unablässig gestaltet, waltet, bildet und formt.

Überall treffen sich an den Kreuzwegen des Tiergartens verabredete Paare, man sieht, wie sie sich entgegeneilen, sich freudig begrüßen und aneinander geschmiegt im Gespräch der Zukunft entgegenschreiten, man steht sie sich auf noch freien Bänken niederlassen und schweigend sich umarmen und neben der hohen, der unveräußerlichen geht die niedere, käufliche Liebe einher.