Was für ein Mädchen! Er hatte ihresgleichen nie erblickt. Seine kleine Catherine, die er so sehr liebte, erschien daneben wie eine Gänsemagd, trotz ihrem Sonntagsstaat. Marguerite hatte Farben wie Rosen und Nelken, und die hätten noch froh sein dürfen. Ihr weißes Kleid lag bis zu den Hüften eng an, dann begann es sich weit und steif zu entfalten, schimmernd von Goldstickerei und bunten Steinen. Auch ihre Schuhe waren weiß, etwas Erde hing daran. Henri folgte einer Eingebung; er kniete hin, und mit seinen Lippen entfernte er die Erde. Dann stand er auf und sagte:
«Meine Hände waren nicht sauber genug.»
Sein Ton wurde hierbei unfreundlich, weil das Mädchen überheblich lächelte. Daher nahm er seine Schwester beiseite und flüsterte ihr zu, aber die andere konnte es sicherlich hören:
«Jetzt hebe ich ihr den Rock auf, ich muß doch herausbekommen, ob sie Beine hat wie alle Mädchen.» Das Lächeln der kleinen Prinzessin wurde starr. Er bemerkte noch: «Ihre Nase ist zu lang. Kathrin, du kannst sie wieder mitnehmen.»
Da verzog sie das Gesicht zum Weinen. Sogleich wurde Henri sehr höflich. «Fräulein, ich bin nur ein dummer Junge vom Lande, und Sie sind ein feines Fräulein», sagte er bereitwilligst. Seine Schwester berichtete: «Sie kann Lateinisch.»
Er redete sie in der alten Sprache an und fragte, ob sie schon verlobt sei mit einem Prinzen. Sie antwortete: «Nein»; so erfuhr er, daß die Geschichte, die seine liebe Mutter ihm erzählt hatte, wohl nur ein Märchen war, und sie hatte es geträumt. Indessen dachte er: ‹Was nicht ist, kann noch werden.› Vorläufig stellte er fest:
«Ihre beiden Brüder sind vor mir davongelaufen.»
«Meine Brüder werden sich vor Ihrem Geruch gefürchtet haben. So riecht kein Prinz», sagte Marguerite von Valois und rümpfte die zu lange Nase. Henri von Bourbon fühlte sich gekränkt, er fragte heftig:
«Wissen Sie, was das heißt: Aut vincere aut mori?» Sie antwortete: «Nein. Aber ich werde meine Mutter fragen.»
Herausfordernd sahen die beiden Kinder einander an. Die kleine Catherine sagte ängstlich: «Achtung, da kommt jemand.»