Es war eine Dame, jedenfalls eine vom Hof, vielleicht sogar die Erzieherin der Prinzessin, denn sie äußerte ihre Mißbilligung.
«Was ist das für ein schmutziger Junge, mit dem Sie sprechen, Fräulein?»
«Es scheint, daß es der Prinz von Navarra ist», erwiderte Marguerite.
Sofort machte die Dame einen tiefen Knicks. «Ihr Vater ist angekommen, mein Herr, und will Sie sehen. Aber zuerst müssen Sie sich waschen.»
Die Feindinnen
Indessen dies geschah, hatte seine Mutter Jeanne d’Albret ihre Unterredung mit Katharina von Medici. Diese zeigte sich ungemein freundlich, bereit zur Verständigung und abgeneigt allen Streitfragen. Die Protestantin in ihrem Eifer bemerkte es gar nicht, oder sie hielt es für Tücke.
«Die Religion und ihre Feinde werden nie zusammenkommen!» behauptete sie hartnäckig. Sie verschwur sich: ‹Und hätte ich an der einen Hand mein Königreich und an der anderen meinen Sohn, lieber versenkte ich beide auf dem Meeresgrund, als daß ich nachgäbe.›
«Was ist Religion?» sagte die dicke schwarze Medici zu der magern blonden d’Albret. «Es wird Zeit, daß wir Vernunft annehmen. Durch unseren ewigen Bürgerkrieg verlieren wir Frankreich, denn ich muß die Spanier hereinlassen, um mit euch Protestanten fertig zu werden. Dabei hasse ich euch nicht, und wenn ich könnte, möchte ich euch eure Religion abkaufen.»
«Sie sind die würdige Tochter eines Florentiner Wechslers», erwiderte Jeanne mit Verachtung. Was sie selbst hatte hören müssen, erschien ihr noch viel beleidigender. Katharina ließ sich nicht beirren.
«Seien Sie froh, daß ich eine Italienerin bin! Keine französische Katholikin würde Ihnen so günstige Friedensbedingungen anbieten. Ihre Glaubensgenossen sollen alle Freiheiten haben, ihre Religion auszuüben, und auch sichere Zufluchtsorte, befestigte Städte, will ich ihnen geben. Sie müssen nur darauf verzichten, gegen die Katholiken zu hetzen und sie zu überfallen.»