«Ich sage die Wahrheit», versicherte sie, setzte sich auf und begegnete seinem Zorn mit der edelsten Gelassenheit in den Mienen wie auch im Tonfall, während sie heimlich dachte: ‹O weh, das hat er zu früh bemerkt. In acht Tagen hätte es am Ende wenig mehr zu sagen gehabte So dachte Madame Marguerite aus Erfahrung.
«Es hat nur den Anschein von Zähnen!» entgegnete sie, und je unwahrscheinlicher die Antwort, um so glaubwürdiger ihr Ton.
«Es sind aber Zähne! Es sind die Zähne des Guise.»
Dies ließ sie ihn so oft aussprechen, wie er wollte. Einmal wird er genug davon haben, und über meine Brust, die ich ihm langsam zuführe, bis er sie in die Hand nimmt, wird er meinen Hintern vergessen. — Gelegentlich ließ sie sich herbei, ihre reichen Schultern zu heben und ein Wort dazwischen zu werfen. «Weder des Guise noch eines andern.» Das erbitterte ihn nur noch mehr. ‹Wie schwer und fast unmöglich ist es aber auch, sich gegen eine falsche Beschuldigung zu verteidigen! In so vielen Punkten könnte er mich mit Recht anklagen, aber gerade diesen ungerechten sucht er sich aus! Muß ich ihm denn wirklich erzählen, wie meine Mutter und mein Bruder, der König, mich behandelt haben eines Morgens, als sie mich rufen ließen, damit ich Guise aufgäbe und Navarra zum Mann nähme? Er sollte doch die schiefen alten Zähne von Madame Catherine erkennen!›
«Sag es! Sag es!» stöhnte er und hielt sie gepackt.
‹Ein Eifersüchtiger. Und wenn ich es sagte? Wessen wäre er fähig? Wird er mir glauben, daß ich nur seinetwegen, damit ich ihn heirate, geprügelt und gebissen worden bin? Der glaubt es nicht: ich werde auch noch zugeben müssen, daß ich gradewegs von Guise kam. Sehr spannend!›
Plötzlich ließ er sie los und schlug die Kissen. Statt ihrer bearbeitete er mit den Fäusten ihr schwarzseidenes Bett, das so berühmt war, weil vieles sich auf ihm zugetragen haben sollte. ‹Er meint aber mich selbst!› Schon rückte sie weit fort, bereit, hinauszuspringen. ‹Gleich komm ich selbst dran. Der schlägt!› Und Margot achtete ihn hoch und liebte ihn einzig. Daher beschloß sie endgültig, nichts zu gestehen, während er sich qualvoll abarbeitete. «Gesteh! Gesteh!»
Auf einmal änderte er ganz den Ton. «Du wirst nie die Wahrheit sagen. Wie könnte es die Tochter der Frau, die meine Mutter —»
Da war das Wort, da war der Gedanke. Sie hatte bis jetzt noch gelegen und er auf sie hinabgesehn. Nach diesem Gedanken und Wort richtete auch sie sich auf, beide lauschten den Nachklang und sahen einander tief erschrocken an. Ihre nächste Bewegung war, daß sie ihre Blöße bedeckte, seine folgende geschah, als er das Bett verließ. Während er in Hast seine Kleider wieder anlegte, suchten sie sich heimlich mit den Blicken: er, um recht zu erfassen, wer das eigentlich wäre, die Frau, die ihn so tief hatte herabziehen können. Sie dagegen wollte wissen, ob sie ihn wirklich verloren hatte, und sie fand: ‹Nein, er kommt wieder und ist mir um so sicherer, da wir seit dieser Nacht durch Schuld verbunden sind. Solange er es noch Schuld nennt, wird er den Überdruß nicht kennen. Sehr teurer Henricus›, dachte sie auf lateinisch. ‹Ungemein liebe ich dich.›
Er stand fertig da in seiner weißen Seide, nestelte an der Halskrause und sagte soldatisch kurz: «Noch heute reite ich zum Heer nach Flandern.»