So erklärte er im Abgehen laut seinem Herrn, dem er insgeheim zuraunte: «Nur fort von hier!» Denn der Edelmann als Diener konnte tönend prahlen und konnte die Gefahr überlisten, jedes zu seiner Zeit.
Er wußte auch einen wenig bekannten Weg, auf dem sie unauffällig das Zimmer seines Herrn erreichen sollten. «Ihr schönes weißes Hochzeitskleid, Sire! Es ist bestaubt und voll von Spinnengeweben. Das sieht ein Kammerdiener. Ein Herzog sieht es nicht, sonst hätte er schon früher Verdacht geschöpft, etwas zu früh vielleicht, da ich noch nicht ganz zur Stelle war.»
«Du paßt auf mich auf?»
«Wie eine Amme. Fallen Sie nicht!»
An dieser scharfen Biegung des Ganges lag in der Quere ein kurzer Packen, nicht ganz Menschenlänge. Nur merkwürdig, das Sackleinen ließ unbedeckt ein Paar Füße in kleinen Schuhen. Doch ein Mensch. Wie sie klein aussehn, wenn sie — Herr und Diener tauschten einen Blick. Der des Dieners riet zur Vorsicht. Der Herr hob trotzdem das Sackleinen auf an der Stelle, wo er ein fremdes Gesicht zu finden meinte, Tote sind immer fremd, und nie war man auf sie gefaßt. Er fuhr zurück, rauh schrie er auf. Der Diener bedeckte ihm ohne weiteres den Mund. «Still, Sire! Schnell hinein, bevor man uns hier überrascht!» Er raffte seinen Herrn vom Fleck weg, riß eine Tür auf und schloß sie hinter ihnen leise.
«Jetzt schreien Sie! Ich weiß, daß draußen nichts zu hören ist. Die Tat ist ruchlos, wie sie hier sind», erklärte der Protestant mit voller Überzeugung. Da sein Herr nicht schrie, sondern starr dastand, redete er selbst weiter. «Wir täten das nicht. Ein so schönes Fräulein, freundlich, willig des Guten. Ich kenne einen Pastor, der sie heimlich in der Religion unterrichtete. Sie wäre zum rechten Glauben übergetreten.»
«Weißt du, wie sie hieß?»
«Nein. Vielleicht Kathrin, vielleicht Fleurette. Ein armes Edelfräulein, wie ich ein armer Edelmann.»
‹Hab ihren Namen nicht gekannt und darf auch nicht mehr nach ihm fragen. Weine Wut und Schmerz in dich hinein, nach außen darf nichts fließen. Die starb für mich und starb aus Liebe. Was verhieß ich heute morgen der Königin von Navarra, meiner Frau? Nach Flandern zum Heer zu gehen: ich hatte es schon vergessen.›
Laut sagte er: «Wir reiten noch heute nach Flandern.»