Sie hatte sich noch zusammennehmen müssen, während sie von der Truhe aufstand und herkam; jetzt aber ging die Verstellung schon von selbst, nicht schlechter als bei Katharina. Diese gab sich mütterlich.

«Ihrer Frau, Navarra, habe ich meine Freundschaft angeboten, und ich glaube auch, daß sie mir genauso wohlwill wie ich ihr.»

Jeanne dachte inständig und schnell: ‹Mein Sohn soll groß werden, ich werde mit euch noch fertig. Ich werde mit euch fertig, mein Sohn wird groß sein. Ich, die Nichte Franz’ des Ersten — und diese Krämerstochter!›

Ihre entzückte und zarte Miene veränderte sich hierbei nicht im geringsten — blieb doch auch das Gesicht Katharinas bei allem, was sie denken mochte, mütterlich. Nur damit verriet die Medici sich, daß sie von den beiden Kindern so gut wie keine Kenntnis nahm, nicht einmal von dem ängstlichen kleinen Mädchen. Wenn eine Frau schon Mütterlichkeit spielt.

«Ich bin aus ganzem Herzen Ihre Freundin!» rief Jeanne, begeistert, weil sie die andere ertappt hatte.

Vergangene Liebe

Antoine von Bourbon freute sich aufrichtig über den Verlauf der Unterredung. Als sie in ihrem Zimmer allein waren, umarmte er zuerst seine Frau, dann seinen Sohn. Ihm zeigte er aus dem Fenster ein kleines Pferd, das vorübergeführt wurde. «Es ist deins. Du darfst es gleich reiten.» Schon sprang Henri fort. Die kleine Schwester folgte ihm, um ihn zu bewundern.

Jeanne bekam jetzt ein ganz anderes Gesicht als das entzückte, das sie der Medici gezeigt hatte. Ihr Gatte bemerkte es in seiner großen Zufriedenheit noch nicht. Indessen sah sie ihn an wie zerstreut und sagte:

«Wie heißt doch nur die Frau, mit der du jetzt meistens gesehen wirst? Die dich auf deinem Feldzug begleitet hat und wahrscheinlich auch hierher?»

«Dir wird so vieles zugetragen.» Er lächelte sogar noch selbstzufrieden, das ertrug sie nur mit Mühe.