Gleich darauf unterdrückte er alles, nicht nur den Ausdruck, auch das Gefühl: denn es wurde Licht, Diener auf Leitern zündeten endlich einige Kerzen an; die warfen einen schwachen Schein in die Mitte des Saales. Die Menge der Höflinge machte: «Ah!» — wie noch jede Menge gemacht hat nach einem Warten im Dunkeln. Zu Henri Navarra trat sein Vetter d’Alençon. «Henri», begann er. «So geht das nicht. Wir müssen uns aussprechen.»
«Das sagst du jetzt, da es hell wird?» erwiderte Henri ihm.
«Ich sehe, daß du mich verstehst», bestätigte ihm der Mann mit den zwei Nasen. Er wollte ganz deutlich machen, daß er nicht dumm wäre. «Verstell dich weiter!» verlangte er ausdrücklich. «Auch ich muß den guten Sohn und Katholiken spielen, insgeheim aber trete ich nächstens zu deiner Religion über. Man ahnt noch nicht, wie viele das tun werden nach allem, was geschehen ist.»
«Ich soll wahrscheinlich im ganzen Louvre der beste Katholik sein», entgegnete Henri.
«Mein Bruder d’Anjou bläht sich: es ist kaum noch auszuhalten! Held des Tages, hat sein Ziel erreicht, ist heiter und gnädig.»
«Schwärzliche Geister umschweben ihn nicht länger», ergänzte Henri.
«Der Liebling unserer trefflichen Mutter, jetzt ist für ihn die Bahn frei. Nur unser toller Bruder Karl braucht noch zu sterben. Hast du Lust, Navarra, das mit anzusehen — ohnmächtig knirschend? Ich nicht. Laß uns fliehen und das Land aufrufen! Ohne Zeitverlust!»
«Ich habe allerdings schon einmal versäumt, den Guise zu erdolchen» — dies entfuhr dem Vetter Navarra, bevor er seine aufgebäumte Wut im Zaum hatte. Alsbald besann und faßte er sich. ‹Dem Mann mit den zwei Nasen durfte man nicht weit trauen. War er nicht falsch, dann jedenfalls zerfahren wie die Buchstaben seiner Mutter›, dachte Henri. ‹Auf ihn kein Pläne bauen›, dachte er. ‹Ihm mich nicht verraten!› — «Für dies Versäumnis aber danke ich Gott», schloß er den angefangenen Satz über die Erdolchung des Guise.
D’Alençon beachtete gar nicht mehr, daß der Vetter es an Offenheit fehlen ließ. Für seinen Teil packte er alles aus: «Du wirst es nicht glauben, aber sie erwarten heute abend die fremden Gesandten. Der päpstliche Legat und der Vertreter Don Philipps von Spanien sollen kommen und ihnen ihre hohe Befriedigung ausdrücken über die gelungene Bartholomäusnacht. Glückliche Verbrecher vergessen immer ganz den Gegenstand ihres Glücks, der doch abstößt. Madame Catherine ist angekleidet und wacht. Ah! Gehen wir ein Stück weiter. Hier herum hat die Wand ein künstliches Echo, man hört es im Zimmer meiner verehrten Mutter. Unser Gespräch könnte sie bedenklich stimmen.»
«Ich habe nichts gesagt», stellte Henri fest.