D’Armagnac, der bei seinem Herrn im Zimmer schlief, mußte sich durchsuchen lassen, sooft er zurückkam. Aber nicht nur er — die Königin von Navarra wurde angehalten, als sie zu ihrem Gemahl wollte. Zuletzt bekam sie die Erlaubnis, bei offener Tür mit ihm zu sprechen. Wegen der Horcher sprach sie leise und überdies lateinisch.
«Mein lieber Herr, Sie haben mich tief gekränkt», sagte sie sanft und traurig. «Ich, die ich so viel getan habe, um Sie zu retten! Sogar die Ärzte glaubten mir, daß ich schwanger wäre! Ach! ich war es nicht, und mir ahnt, daß ich es niemals sein werde. Als es mir an der Zeit schien, trug ich sogar einen dicken Bauch. Meine Mutter indessen ist nicht so leicht zu betrügen wie die Ärzte, und ich will nicht davon reden, was mir zustieß. Während ich aber einzig und allein auf Ihr Wohl bedacht war, was planten Sie?»
«Gar nichts», versicherte Henri leichthin. «Was sollte ich geplant haben? Siehst du nicht, daß deine liebe Mutter nur einen Vorwand sucht, mich zu töten?»
«Mit Recht», entschied Margot — eine andere Margot, die Prinzessin von Valois. «Denn Sie sind ein Feind unseres Hauses, das Sie stürzen wollen.» Die andere Margot war erzürnt durch seine Unaufrichtigkeit und hatte eine harte Stimme.
Um so leichter blieb Henri. «Ah! Du glaubst an diese Verschwörung? Den dicken Nassau sollte ich ins Land gerufen haben!» Er blies die Backen auf und ahmte auch sonst auf das täuschendste einen beleibten Mann nach. Sie lachte darüber nicht, ihre schönen Augen weinten.
«Sogar mich belügst du, noch jetzt!» brachte sie hervor.
Er leugnete weiter, er scherzte dreist, bis sie ganz die Geduld verlor. Wütend rief sie und diesmal in der Volkssprache: «Dumm bist du, nichts als dumm! Läßt dich mit meinem Bruder d’Alençon ein und denkst, er würde dein Geheimnis bewahren.»
«Er hat es streng bewahrt», behauptete Henri, nur um sie in Versuchung zu führen. Sie verlor denn auch ganz die Haltung, warf den Oberkörper nach vorn und schrie: «Verraten hat er dich!» Darauf reizte er sie noch mehr. «Höchstens einer einzigen Person — die ich kenne.» Margot schnell und unbedacht: «Dummkopf, ich kenne sie besser. Sie hat sich nicht lange besonnen und alles ihrer Mutter hinterbracht.»
Das war ihr Geständnis. Sie selbst war die Angeberin. Nach dieser Preisgabe wurde ihr angst und bange, sie zog sich gegen die Tür zurück. Er aber, kein Gedanke, daß er sich an ihr vergriffen hätte. Wohlgelaunt rief er hinüber: «Jetzt weiß ich’s wirklich! Du hast es von La Mole.»
Dieser La Mole gehörte zu den schönen Männern, die auf ihre Gliedmaßen stolz sind, wie Guise. Margot hatte für ihn eine Schwäche, immer sollte sie zu der gleichen Art von Männern zurückkehren. Das begriff Henri, darum nannte er La Mole — als wäre Margot schon jetzt mit ihm eng genug verbunden, daß er sie hätte einweihen können in das Geheimnis seines Mitverschworenen d’Alençon, womit sie dann ungesäumt zu ihrer Mutter gelaufen wäre. So klang es, und dies alles warf er ihr lachend an den Kopf, als er zu ihr hinüberrief: «Du hast es von La Mole!»