«Nichts dergleichen, Sire. Die Königin ist wohlgelaunt. Warum sollten nicht auch Sie es sein?»
«Weil ich noch einen Bruder habe», war die überraschende Antwort. Henri fand nicht sogleich Worte. Der Tod des ältesten Bruders hatte kein Glück gebracht, aber auch den des jüngeren wünscht man! Ein orientalischer König in seinem Serail, und die Welt draußen versinkt vor der großen Gefahr, die er fürchten muß im Palast, von seinen Nächsten. Hier ahnte Henri schon, was kommen sollte. Der König verachtete zwar seine Mutter wegen ihrer Greuel; indessen sein unruhiger Bruder d’Alençon läßt ihn nicht schlafen. Wen wird er zuletzt mehr verachten müssen: Madame Catherine oder sich selbst? Zu sehen war, wie der König gegen seinen Drang kämpfte. Es half nicht, er mußte damit heraus; blieb aber lauernd, sogar bei seinem qualvollen Ausbruch.
«Vetter Navarra! Befrei mich von meinem Bruder d’Alençon!»
«Ich bin tief gerührt, Sire, weil Sie mir dermaßen vertrauen», versicherte Henri gemessen und mit einer Verbeugung. So hatte er weder nein noch ja gesagt. Der König nahm es vielleicht für ein Ja.
«Dann», betonte er, «werde ich dir glauben können.» Lauernd — obwohl es klingen sollte wie ein Scherz.
«Werde ich dann», auch Henri betonte stark, «ohne meine Mörder ausreiten dürfen?»
«Mehr als das. Wer mich von meinem Bruder befreit, wird Statthalter im ganzen Königreich.»
Das kam nun ganz gewiß aus einem falschen Herzen. ‹Valois, du Guter, dachte Henri, ‹sollst mich kennenlernen.› Und er sprang in die Luft vor kindischer Freude. «Hätte ich mir das träumen lassen!» rief er und jubelte. «Statthalter im ganzen Königreich!»
«Wir wollen es gleich feiern», bestimmte der König.