Du Guast veranschaulichte mit seinem ganzen Körper die schreckliche Angst. Es war das beste, was er heute machte, so begabt alles vorige gewesen war. Die Echtheit ist doch vorzuziehen.
Sein Hals war so lang geworden wie ein Hals, von dem soeben der Kopf abgeschlagen ist, denn die wachsen plötzlich; und diesen gereckten Hals drehte er hin und her vom König zum Kanzler, vom Kanzler zum König. Dem Kanzler fielen die Backentaschen tief herab, dem König schwoll eine böse Ader. Du Guast fühlte die Faust seines Feindes d’Elbeuf, sie umspannte ihm den langen Hals immer fester, und bevor sie ihn ganz zuschnürte, brachte Du Guast noch hervor: «Der Herr Kanzler war es.» Allerdings bereute er das Geständnis, sobald die Faust ihn losließ, und wollte es zurücknehmen. «Nicht der Herr Kanzler! Ich selbst ganz allein habe mich gestellt wie vergiftet, aus Eifersucht auf Herrn de Léran, dem mein König zulächelte.»
Das wurde ihm nicht geglaubt, obwohl es doch gleichfalls richtig war. Der König betrachtete den Kanzler nur um so ungnädiger, vielmehr der Sultan seinen Wesir, denn in solcher Gestalt standen sie da. Als erster meldete sich Navarra.
«Signor Birague, Sie haben Ihren Edelstein verwettet! Sire, er hat gewettet, daß er mich öffentlich würde hinrichten lassen. Das wäre ihm auch gelungen, wenn Sie seine Ränke nicht durchschaut hätten.»
Der König durfte den Kanzler weder in die Bastille werfen, noch aus seinem Amt entfernen, denn Madame Catherine schützte ihren Landsmann. Der König tat statt dessen, was er konnte und was allgemein von ihm erwartet wurde. Er riß dem Kanzler den großen Edelstein von der Brust. Hierauf blickte er unschlüssig umher, als ob er noch nicht gewußt hätte, was jetzt weiter käme. Er wußte es in Wirklichkeit sehr wohl. Er winkte hinab, der junge Léran schritt die Stufen hinan, und auf den Knien empfing er das Pfand der königlichen Gunst. Ein blauer Schein ging fortan von ihm aus. Alle Schleier abgestreift, bekam Vicomte de Léran den Kopf eines jugendlichen Kriegers, der auftritt mit seiner beginnenden Männlichkeit und dem Besiegten den Fuß in den Nacken setzt. Dazu forderte Du Guast ihn denn auch auf, er drückte eigens das Gesicht in den Staub, und Léran nahm keinen Anstand.
Als die Insassen des persischen Zeltes alles so wohlgefällig ausgehn sahen, bekamen sie den Gebrauch ihrer Glieder zurück. Sie klatschten in die Hände, dann tanzten sie wieder, und von Musik gewiegt, stellten sie die Liebe und das Glück dar für Zuschauer, die nur dann daran glaubten, wenn es gespielt war. Noch lange schimmerte in dieser Nacht das persische Zelt mit seinen bestickten Vorhängen, durch die von hinten das Licht fiel, weise gesiebt, so daß alles darin erträglicher als sonst wurde, die Personen, Sultan, Knaben, alte Schurken, sowie auch die Dinge, deren teuerstes nur blauer Schein war. Zwei Teilnehmer fehlten. Henri und d’Elbeuf nahmen an einer entfernten Stelle des Schlosses voneinander Abschied.
«Das will ich dir nie vergessen, d’Elbeuf.»
«Sire, Sie zögern hier lange und müssen wohl auch zögern.»
«Ich habe Zeit. Sonst bleibt mir nichts — nur Geduld und Zeit.»