«Mach dir keine Sorgen! Guise arbeitet schließlich für mich, denn Philipp ist mein Freund.»
Das glaubte sie nun einmal, und begriff daher nicht, daß König Philipp in Frankreich einen Statthalter suchte für sich selbst, wenn er hier erst der einzige Herr wäre, nach der Zerrüttung des Königreiches durch sein spanisches Gold. Nahe vor ihr stand einer, der anfing zu erkennen. Madame Catherine aber erwiderte ihm schlau: «Geh nur zu irgendeiner schönen Dame, Zaunkönig. Du sowohl wie Guise, ihr sollt euch unter meinen Augen gut vergnügen, dann fürcht ich euch nicht.»
Der König von Frankreich saß in seinen Pelzrock verkrochen und schrieb; gerade einen solchen, still betrübten Zustand hatte Henri abgewartet, um ihm manches zu eröffnen. Das Schlimmste von allem wußte d’Anjou schon: einer seiner Lieblinge war heute im Zweikampf gefallen, Maugion, ein so anmutiger Knabe, und erstochen hatte ihn ein Offizier Lothringens. Das ging zu weit, Guise führte nicht nur Aufruhr in den Straßen herbei, er verbreitete Schrecken sogar im eigenen Schloß des Königs. «Vetter Navarra, wir hatten ihn unterschätzt.»
«Ich gebe es zu», sagte Henri. «Alles ist nicht Roheit bei einem Goliath und Helden seiner Art. Man darf die Tücke nicht vergessen.»
«Ich», beschloß der König, «will darauf erwidern ehrenhaft, wenn auch mit weiser Berechnung. Ich setze meinen königlichen Namen auf die Liste der Liga.»
Was er sogleich vollzog, unter großem Prunk und im Beisein vieler Zeugen aus allen Ständen. Das Volk und die ehrbaren Leute sollten sich persönlich überzeugen, daß der König nicht erst durch einen Bund müßte erinnert werden an sein Versprechen, die Religion zu verteidigen. Er setzt seinen Namen an die Spitze, noch über Lothringen, dessen zum Zeichen, daß er der Verbreitung der hugenottischen Lehre mit allen Mitteln widerstehen wird. Indessen glaubt er es sich selbst nicht, und auch sonst glaubt niemand es dem schwachen König. Mit seiner Unterschrift hat er nur bekräftigt, daß im ganzen Land gegen ihn gehetzt werden darf von umherziehenden Mönchen, und Listen der Liga bedecken sich mit Namen und Kreuzen in jedem Dorf, und jeder Bursche hat vor Augen den tapferen Guise und jedes Mädchen den schönen Guise, und Held ihrer Träume ist nur dieser — anstatt eines traurigen Valois, bald traurig, bald ausgelassen, und spielt mit seinem Hof von Knaben.
Henri, dritter seines Namens, vergaß seine Lage, wenn er sich verkleidete und entweder ein fremder Sultan oder ein niedriger Büßer wurde. Als König von Frankreich beseufzte er gern seinen wirklichen Zustand, und zum Vertrauten nahm er wohl einmal seinen Schwager Navarra, später der vierte des Namens Henri. Eines Morgens ließ er ihn rufen; es war gegen Weihnacht, Schnee lag, und eine ungewöhnliche Stille entrückte das Schloß Louvre, als wäre es ganz mit sich allein geblieben. Der König bat: «Henri, sag mir, was du von mir denkst.»
«Sire, daß Sie mein Herr und König sind.»
«Das braucht dir nicht erst einzufallen. Wenn du dich aber besinnst?»
«Ich an Ihrer Stelle würde die Wahrheit nicht herausfordern. Sie haben ein einziges Mal gehandelt, und das war die Bartholomäusnacht. Heute ist Guise viel stärker als damals der Admiral. Sie sind ein König und begehen daher sicher ein erwogenes Versäumnis, wenn Sie ihn noch stärker werden lassen.»