«Das fällt mir gar nicht ein, da ich Sie am besten kenne», sagte er mit einem Lächeln, das bedeutungsvoll, aber gütig war, und auch Verliebtheit spielte mit hinein. Alles zusammen rührte das Herz der armen Frau. Einen besseren Freund konnte sie sich unmöglich wünschen. «Dank Ihrer Anständigkeit», sagte sie, «ist es diesmal noch gut gegangen. Jetzt sind wir aber gewarnt. Passen Sie auf: der König wird sich noch mehr Geschichten ausdenken, wie er unsere Freundschaft verbiegen kann.»
«Es soll ihm nicht gelingen», versprach er, «und wir wollen sogleich Anstalten treffen.» Sie blieben auch noch eine ganze Weile zusammen. Am Morgen, nachdem er von ihr gegangen war, bekam Margot alsbald den Besuch von Damen, die ihr berichteten, daß ihr lieber Gatte sie gerade gestern gekränkt hätte mit der Herzogin von Guise. Einen Augenblick war sie erstaunt, dann erwiderte sie: «Mein lieber Herr kann nicht sehen, daß eine Frau unglücklich ist.»
Hierüber dachte sie viel nach. Denn Margot lebte unbesonnen, nur ihr Geist war sinnreich. Sie zeichnete, zu ihrer Erinnerung, zwei vergleichende Charakterbilder auf: der Herzog von Guise, in ihrer Niederschrift Cleonth genannt, wie er sich rächte und die Herzogin stundenlang in schrecklicher Todesfurcht erhielt mit einer Fleischbrühe; der König von Navarra, bei ihr Achill: so nachsichtig — und auch so unzuverlässig. «Aber seine Gefühle sind dennoch sich selbst getreu», schrieb sie. «Achill vergißt niemals die große, schöne Leidenschaft, die ihn mit Lais verbunden hatte. Diese verraten weder Lais noch Achill, sie verwandeln sie durch gemeinsamen guten Willen, und aus der Passion, die oft wie Haß aussieht, wird eine Freundschaft, die fast der Liebe gleicht.»
Margot legte die Feder hin und war recht froh, wie die Dinge sich darboten. Vieles hatte sie nicht ausdrücklich hingesetzt, zum Glück war es ausgestanden: die Toten, die sich zwischen sie und ihren lieben Herrn gedrängt hatten, und man konnte nicht über sie hinweg. Dann hatte sie ihn ihrer schrecklichen Mutter verraten, so daß er in Gefangenschaft kam; dann hatte sie sich entschlossen, ihm Hörner aufzusetzen. Haß, Betrug, Reue und Mitleid waren ihren Weg gegangen, bis endlich Achill und Lais die besten Freunde wurden und es immer bleiben sollten, meinte Margot. Aber das Leben ist lang.
Die beiden Gatten erlaubten einander manches, ja, sie wiesen einander auf drohende Gefahren hin, wenn auch immer mit einigen Vorbehalten. Einmal begann Margot: «Sire, Sie zeigen sich zu häufig mit meinem Bruder d’Alençon. Sie sollten sich nicht mit ihm verschwören, Sie haben doch schon öfter gesehen, wie es endet. Er bleibt der Erbe des Thrones. Ihnen wird zwar die Statthalterschaft im Königreich versprochen, aber darüber lacht der ganze Hof.»
«Madame, es ist nicht immer von Nachteil, ausgelacht zu werden.»
«Wenn Sie geheime Pläne hätten. Wollen Sie denn König von Frankreich werden? Sie finden niemand, der Ihnen dienen möchte, weil alle Sie hier in dieser Rolle kennen. Dienen Sie lieber meinem Bruder d’Alençon, den ich sehr liebe und der bestimmt den Thron besteigen wird. Ich rate Ihnen zu Ihrem Besten.»
«Madame», sagte er ernst, «Sie wollen erfahren, daß auch ich Ihr Freund bin. Bei Ihrem Bruder d’Alençon halte ich mich oft auf, weil ich weiß, daß sein Leben in Gefahr ist.» Sein Blick war so vielsagend, daß sie ungefähr erriet: er selbst war beauftragt; der König benutzte ihn, um sich seines Bruders zu entledigen. Sofort beschließt Margot: ‹Ich will selbst meinen Bruder Franz beschützen. Sein Freund, der tapfere Bussy, soll meine Gunst genießen.› Weil sie dies aber fest vorhatte, lenkte sie das Gespräch zu Sauves, ihrer guten Freundin hinüber.
«Sauves ist ein angenehmes Vergnügen für Sie», versetzte Margot. «Mehr darf sie auch nicht sein, um Ihrer eigenen Sicherheit willen, mein lieber Herr und Gemahl. Verraten Sie ihr nur niemals, was wirklich in Ihnen vorgeht! Auch auf dem vertraulichen Kopfkissen müssen Sie sich immer gegenwärtig halten, daß Sauves alles und jedes meiner Mutter, der Königin, berichtet.»
«Ich glaube es nicht», erwiderte Henri, obwohl er es wußte.