Montaigne sah ihm nach. Er selbst hatte wohl eher eine Betrachtung gewagt über die gesunde und die kranke Seele der Menschen und der Zeiten. Indessen nickte er und sagte: «So meinte ich es.» Denn ihm schien und wurde deutlicher mit jedem Augenblick, daß sie im Chor gesprochen hatten: verschiedene Noten — eine Harmonie. Er verbeugte sich, um abzugehen, während er sein Schlußwort vorbrachte.

«Ein Name steht für vieles und erklärt, was niemals zu erklären wäre. Ein florentinischer Künstler, dessen große Werke ich rühmte, dachte sich vor mir zu rechtfertigen, weil er sie gemacht hatte, und er sagte: er hätte gar nichts gekonnt, außer durch den Vorzug, daß er abstammte von den Grafen von Canossa. Man nennt ihn Michelangelo.»

Henri schnellte auf den Abgehenden zu, umarmte ihn nochmals und sagte ihm ins Ohr: «Ich habe keine Werke. Aber ich kann sie machen.»

Moralité

Le grand danger du penseur est d’en savoir trop, et du prisonnier d’hésiter trop longtemps. Voilà ce captif de luxe, qui à des loisirs et des femmes, retenu par ses plai-sirs en même temps que par les amusements désabusés de son esprit. Cependant il voit des fanatiques cupides entamer la moelle même d’un royaume que plus tard il devra redresser. Heureusement qu’il lui reste des amis pour I’admonester, une sœur pour le gifler à temps, et que même un spectre le relance afin de lui rappeler son devoir. Au fond il n’en faut pas tant, et son jour venu de lui même il prendra son essor. C’est sa belle sante morale qui lui donne l’avantage sur tous les immodérés de son époque. Comme un certuin gentilhomme de ses amis, l’immodération dans la poursuite du bien même, si elle ne l’offense, elle l’étonne et le met en peine de la, baptiser. Par contre, il possède le mot propre par quoil il signale et ses qualités et ses droits. En appuyant sur son titre de prince du sang c’est en réalite sur les prérogatives de sa personnalité morale qu’il insiste.[8]

Die Mühlen des Lebens

«Mein kleines Gefecht»

Nérac ist eine Stadt im Lande, die Vögel fliegen über sie hin, die Hammel ziehen vor ihre Tore mit Getrappel, und weite, flache Felder umgeben sie äußerst fruchtbar: dies alles schon tausend Jahre. Die Menschen hämmern auf Holz und Leder, zerschneiden Stein oder Fleisch, an der grünen Baïse stehn sie und angeln. Sooft aber bewaffnete Reiter auf der Straße den Staub erheben, bringt man die bewegliche Habe in Sicherheit und nähert sich ihnen mit leeren Händen in der Hoffnung, verschont zu bleiben. Es ist kein Verlaß auf die Mauern und Gräben, auch nicht auf die Herren, ob katholisch, ob hugenottisch, die gerade befehlen. Die nächsten, die schon unterwegs sind, werden sie erschlagen oder verjagen. Das Heil des Bürgers ist einzig, sich zu ergeben jedem, der will, und das tun sie. In Nérac gehen die einen zur Messe, die anderen zur Predigt, und je nach der Religion des neuen Eroberers behaupten sie, dies oder jenes zu glauben.

Der junge König von Navarra, als er glücklich frei war, vermied seine Hauptstadt Pau: dort hatte seine Mutter, die Königin Jeanne, in ihrem hohen Glaubenseifer den Protestantismus unduldsam gemacht. Er erwählte das ländliche Nérac für seinen Wohnsitz und Hof. Denn es lag in der Grafschaft Albret, dem alten Besitz seiner mütterlichen Vorfahren, und hielt ziemlich genau die Mitte des Landes, das er fortan verwalten sollte. Dies war zusammengesetzt aus seinem eigenen Königreich und der Provinz Guyenne mit ihrer Hauptstadt Bordeaux. Sein Königreich, das waren noch immer die Gebiete Albret, Armagnac, Bearn, Bigorre und Navarra. Seine Edelleute und Hugenotten hatten, indessen er selbst im Louvre saß, abgeschlagen sowohl den alten Montluc, der im Auftrag des Königs von Frankreich bei ihnen eindrang, wie die spanischen Haufen, die von den Bergen herabstiegen. Das Land des neuen Gouverneurs, der auch König hieß, reichte entlang den Pyrenäen und der Küste des Ozeans bis dort, wo die Gironde in ihn fällt. Das ist der Südwesten.

Die Luft der Freiheit berauscht wie der Wein, in Wind und Sonne getrunken. Das Brot der Freiheit ist süß, wenn es gleich trocken wäre. Durch das Land reiten nach langer Gefangenschaft! Nur selten nach Haus kommen und überall zu Haus sein. Keine Wächter und Aufpasser, lauter Freunde. So ist es gut zu atmen, davon wird jede Viehmagd schöner, als dem Gefangenen die Prinzessin war. Ihr seht zwar nicht zum besten aus, werte Landsleute. Seid reichlich verkommen, während wir fort waren. Das haben verschuldet Montluc, die Spanier und eure beiden Religionen. Wer hält sie denn aus, den Glaubenseifer und die ständige Lebensgefahr. Wir können davon mitreden. Meistens verließet ihr eure zerstampften Felder und verbrannten Häuser, es werden in der Provinz viertausend sein. Seid selbst endlich Räuber geworden, und ich begreif es. Dem aber will ich ein Ende setzen, und hier soll Fried sein.