Draußen weinte er — aus Scham und Erbitterung über sein Verhalten zu der Tugend, die verkörpert war in dem Hugenotten Mornay. Er versteifte sich wohl, er empfing den Gesandten nicht mehr allein, besonders nicht im Park La Garenne um sechs Uhr früh, da er um zehn erst aufstand. Das konnte nicht hindern, daß er an Philipp Mornay denken mußte, wenn er ihn nicht sah, und neben allen anderen am Hof hielt er ihn, meist ohne Nutzen für diese. Er behauptete: Ein ganz anderer Freund ist d’Aubigné, der mich zur Flucht aus dem Louvre gedrängt hat. Ein ganz anderer Freund ist Du Bartas: der hat mir das Leben gerettet in dem gemeinen Wirtshaus — nicht zu reden von dem schmerzlich vermißten d’Elbeuf, der mich beschützt hat auf Schritt und Tritt. Was waren sie aber? Kriegsmänner, und die Tapferkeit war etwas Selbstverständliches, von ihr machte niemand Aufhebens, sie rührte nicht einmal an den äußersten Bereich der Tugend. Jetzt nehme man einen der nächsten hier, der besten im Rat: was blieb übrig von ihnen, wurden sie verglichen mit Mornay? Allen hafteten Untugenden an, manch häßliche sogar, und um so lieber verzieh Henri sie. Die Freundschaft und das Königtum haben die Macht, auszulöschen. Keiner aber verfügte über das Wissen, das hohe und tiefe Wissen des großen Hugenotten. Unwissenheit ist nicht auszulöschen.

Agrippa, der alte Freund, nahm die Freigebigkeit des Fürsten in Anspruch wie nur einer; der Rechnungskammer in Pau war sein Name am besten bekannt. Einmal sprach er zu einem anderen Edelmann über den König, laut genug, daß Henri es hören mußte. Der andere hatte nicht aufgepaßt, und Henri selbst wiederholte: «Er sagt, daß ich ein Geizkragen bin, und kein Mensch auf Erden strotzt so wie ich von Undank.» Eines anderen Tages wurde dem König ein halbverhungerter Hund gebracht, er hatte das Tier geliebt und dann vergessen. Auf seinem Halsband war eingeritzt ein Sonett von Agrippa; es begann:

«Der treue Citron lag in bessern Tagen auch

Auf deinem heiligen Bett: jetzt schläft er auf den Steinen.

So geht’s dem treuen Hund, er lernte wie die Deinen,

Was bei dem Freund und was beim Undankbarn der Brauch.»

Die Anwendung kam am Schluß:

«Ihr Herrn vom Hof, die ihr mit stolzen Blicken streift

Den Hungerhund, wie er verjagt durch Straßen schweift,

Erhofft für eigene Treu nur keinen andern Lohn!»