Biron sah sich um, einen Augenblick sprachen sie nicht. Dann zuckte der Marschall die Achseln. «Auch rechts kann Mayenne nicht angreifen, die Hügel sind buschig und enge gewunden. Bleibt ihm nur übrig, vom Wald her durch das nackte Feld zu kommen. Sire! Sie erwarten ihn zwischen Ihren beiden guten Verschanzungen: auf der vorderen stehen fünfhundert Ihrer alten Hugenotten, an ihnen hab ich mir früher die Knie gerieben. Ist aber auch Raum gelassen, daß Sie fünfzig Pferde in einer Front können vorschicken.»

«Sie haben alles bedacht, Biron, das wissen auch die Truppen. Meine Truppen sind grade mäßig genug an Zahl, daß jeder einzelne Soldat sieht und urteilt. Sein Kampfeseifer ist voll Verständigkeit. Darin liegt unser Vorteil, daß wir nicht zu viele sind.»

«Sire! Ein dichter Nebelreif, der über Ihr Gesicht zieht, verbirgt mir, ob Sie lachen.»

Ihm ins Ohr sagte Henri: «Der Nebel wird dem Feind verbergen, wie wenige wir sind. Und wie gut wir verteilt sind», schloß er — rückte die ausgestreckte Hand von einem Punkt der weiten Landschaft zum anderen: sechs Punkte, er kannte jeden und fand im Nebel hin.

Weder Henri noch Biron hatten erwähnt, was sich von selbst verstand: der Nebel schützte, aber er gefährdete auch, die einen wie die anderen. Den ganzen Tag schlichen Kundschafter unsichtbar hin und her. In dem riesengroßen Heer der Liga brach öfter ein grundloser Schrecken aus. Bei den Königlichen legte man das Ohr auf den Boden und horchte. Am Morgen darauf gab Mayenne es auf zu warten, bis die Luft klar würde: er griff an. Mayenne war geschickt, er tat etwas Überraschendes, konnte wenigstens meinen, es wäre unerwartet. Er kam zuerst nicht über die Ebene, sondern schickte einiges Fußvolk, nur dreihundert deutsche Landsknechte, seitwärts durch das Hügelland. War er recht berichtet, stand der König in Person rechts von der zweiten Verschanzung. Hinter den Büschen, im Nebel, seine Stellung umgehen und ihn fangen, damit dachte Mayenne sogleich zu gewinnen. Der König gefangen, alsbald sprängen die Deutschen auf die zweite Schanze, stürmten von rückwärts die erste, dort fänden sie die Reiterei der Liga schon eingedrungen. Genommen alle Befestigungen, und was übrigbliebe von den Königlichen, wären auf nacktem Feld zwei, drei verzagte Haufen. So die Schlacht, die der Feind zu schlagen dachte. Beschert wurde ihm eine ganz andere.

Neben der ersten Schanze stand Biron, wie Henri neben der zweiten. Er stützte sich auf eine Kapelle, die wollte er halten mit seinem ganzen Eigensinn. Der Alte hatte nur sechzig Reiter, aber Augen, die erkannten durch den Nebel, wie ein Landsknecht unter Büschen schlich. Er schickte einen Reiter zum König. Als die dreihundert Deutschen, schnaufend nach dem heimlichen Schleichen, bei der Stellung anlangten, wurden sie erwartet, und taten wohl daran, mit frommen Gesichtern sogleich die Hände zu erheben. Sie behaupteten, sie wären eigentlich königlich gesinnt, weshalb man ihnen noch über den Graben half, auch die Waffen ließ und der König berührte ihre Hände. Indessen meinten sie es nicht so genau. Das zeigte sich, da Reiterei und Fußvolk der Liga mit Übermacht einstürmten auf die Verteidiger der ersten Linie. Das waren aber die fünfhundert Arkebusiere der Religion, die ließen nicht leicht jemand ein, der sich an ihnen die Knie reiben wollte. Leichte Reiterei des Feindes setzte wohl hinüber in das geschlossene Feld zwischen den beiden Schanzen. Da waren es sechsundzwanzig berittene Edelleute des Königs, die sie anfielen aus dem Nebel, waren nicht zu zählen im Nebel und jagten die feindlichen Reiter vor sich her nach der Kapelle: dort stießen sie auch noch auf Biron und seine sechzig.

Die Landsknechte auf der zweiten Schanze waren mit jeder Minute weniger königlich gesinnt. Sie merkten wohl, die Truppen der Liga waren eingedrungen in das geschlossene Feld. Was weiter geschah, entging ihnen, oder sie begriffen es etwas zu spät: jedenfalls verwandelten sie sich plötzlich in Feinde zurück. Dadurch riefen sie zwar große Wirrnis hervor.

Biron, der herbeieilte, wurde vom Pferd geworfen. Derselbe Deutsche, der den Marschall zu Fall gebracht hatte, hielt dem König selbst seinen Spieß vor die Brust und sagte, der Herr sollte sich ergeben. Das wäre soviel wie eine lebenslange Versorgung gewesen für den Guten. Nur leider kam er zu spät, seine Partei war im geschlossenen Feld schon niedergeworfen: er hatte nicht achtgegeben vor Eifer. Plötzlich sieht er sich umstellt von Reitern, die drauf und dran sind, ihn hinzumachen. Sein Gesicht wird dumm wie je, der König lacht und befiehlt, ihn laufenzulassen.

Hier wurde Biron zornig. Steif von dem Sturz, kletterte er auf sein Pferd: noch nie hatte jemand ihn herunterfallen gesehen. Nun war Zeuge der König selbst, machte sich aber nichts daraus, sondern lachte. Seine Sache, wenn er den Spieß des Deutschen auf seiner Brust haben wollte.

«Sire! Ich rühme mich weder meiner Sanftmut noch Seelenkraft. Geben Sie mir den Mann!»