Sie gab Karl einen Wink, damit er seiner Schwester die Hand reichte und ihr half. Dann ging sie selbst daran, die Kleidung ihrer Tochter zu ordnen. Als die Prinzessin Margot sah, daß die Gefahr vorbei war, bekam sie sofort ihr herrisches Gesicht zurück.
«Alles ist zerrissen. Du Dummkopf!» schrie sie ihren Bruder an. «Hol doch meine Kammerfrau!»
«Nein», entschied ihre Mutter. «Die Sache bleibt besser unter uns.»
Sie selbst nähte in dem weißen Seidenkleid die Löcher zu, glättete es und ließ sich auch nicht nehmen, die von Tränen und Backenstreichen entfernte Schminke neu aufzutragen. Karl holte auf Befehl Katharinas die Perücke, die er seiner Schwester vom Kopf gerissen hatte, zog sie unter dem Bett hervor, staubte sie ab und setzte sie ihr auf. Da war sie wieder die stolze und anmutige junge Dame, die vorhin das Zimmer betreten hatte!
«Geh nur und lies deine lateinischen Bücher», knurrte Karl der Neunte. Katharina von Medici setzte hinzu:
«Aber vergiß nicht, was ich dir soeben zu deiner Belehrung mitgeteilt habe!»
England
Eine zweite mächtige Frau bekümmerte sich um den jungen Henri, während er selbst hauptsächlich an sein Vergnügen dachte. Elisabeth von England empfing in ihrem Schloß zu London ihren Pariser Gesandten. «Du kommst einen Tag zu spät, Walsington.»
«Die See war stürmisch. Eure Majestät hätte wahrscheinlich nur einen toten Gesandten zu sehen bekommen. Ich fürchte, der hätte nicht so viel berichtet, wie es zu berichten gibt.»
«Walsington, das wäre gut für dich gewesen. Der Tod in der See ist weniger peinlich als der auf dem Schafott. Du bist dem Block und dem Beil näher, als du denkst.»