«Müssen auch die anderen sterben?» fragte Henri, kalt angerührt.

Coligny antwortete hart: «Die Valois verfolgen die Religion. Das ist ihre Strafe.»

«Sie haben es nicht, weil sie Valois sind», sprach Jeanne. «Sie haben es durch ihre Mutter, denn die war lange unfruchtbar.»

Die beiden Männer zogen die vorgestreckten Köpfe zurück: dies verstanden sie nicht mehr. Jeanne hatte die Zusammenhänge nur entdeckt, weil sie selbst so viele Nächte wach lag mit Atemnot und jenem unheimlichen Kitzel unter der Schädeldecke, rings um den Kopf. Da kein Arzt ihr den Grund zu erklären wußte, hatte sie erraten müssen, daß die menschlichen Geschicke sich nach dem Willen Gottes in den Leibern vollziehen, bevor sie sichtbar auftreten. Jeanne sollte leiden und früh dahingehn, nachdem sie einen auserwählten Sohn geboren hatte. Ihre Feindin Katharina dagegen verdiente es, alt zu werden und alle ihre spät empfangenen Söhne hinabsteigen zu sehen. Jeanne rechnete hierauf mit dem besten Gewissen und ohne Mitleid.

«So werde ich diesmal ihrem Gesandten den Bescheid geben, daß ich mich der Verbindung mit ihrem Hause nicht widersetzen will, wenn sie mir gewisse Bedingungen erfüllt.»

«Strenge, unveräußerliche Bedingungen», verlangte Coligny. «Der Hof soll sich gegen Spanien erklären. Seine Truppen sollen in Flandern einrücken, und ich will sie führen.»

«Die Prinzessin von Valois soll protestantisch werden», entschied Jeanne, und hierüber erstaunte Henri so heftig, daß er aufschrie. Margot und die Religion! Die Religion und die verliebte Margot! Er wußte nicht, wohin mit sich und seiner überwältigenden Lachlust. Schließlich verschwand er in einer tiefen Fensternische, ließ den Vorhang über sich fallen und keuchte in seine Hände hinein. Seine Mutter sagte gehoben:

«Mein Sohn dankt Gott, weil seine künftige Frau gerettet werden soll.» Das empfand Coligny als eine zu starke Zumutung an Gott. Er war nahe daran, es auszusprechen: die Prinzessin führte einen verwerflichen Lebenswandel. Sie unterhielt wohlbekannte Beziehungen zum Herzog von Guise. Als Christ hätte er sprechen sollen, als Weltmann aber schwieg er, und so warteten beide, bis Henri sich wieder zu ihnen gesetzt hatte. Dann belehrte Jeanne ihn allerdings gründlicher als vorher über die Gefahren des Unternehmens.

«Vergiß niemals, daß sie sich vor allem deiner versichern wollen. Es ist immer der Grundsatz Madame Catherines gewesen, ihre Feinde im Hause zu haben; und nach ihren Söhnen, die so leicht bluten, hast du den nächsten Anspruch auf die Krone Frankreichs. Ich weiß wohl, daß sie sich mit deiner Hilfe auch des Guise entledigen will, denn seine Familie scheint ihr bedrohlicher als die unsere», sagte sie mit dem Ton der Verachtung. «Aber das Wichtigste ist der Königin, dich an ihren Hof zu locken. Das werde ich indes verhindern, ich selbst werde statt deiner hinreisen, dann wollen wir einmal sehen, ob sie mit mir fertig wird.»

Coligny nickte grimmig. «Und ich folge Eurer Majestät auf dem Fuß. Alle unsere Forderungen müssen bewilligt werden, oder das protestantische Heer, mit dem Prinzen von Navarra an der Spitze, setzt sich gegen Paris in Bewegung. Darauf gibt es keine Gnade mehr!»