Hierauf schlich er zurück in sein Schlafzimmer und kam erst wieder hervor, als die Soldaten laut durcheinanderriefen. «Was geht hier vor! Platz für mich!» befahl er überaus herrisch, obwohl im Nachtgewand. Die Leute hinter ihm schwiegen, Karl beugte sich, vom Morgenwind und seinen Gefühlen fröstelnd, über die gewundene Treppe. In einem grauen Stück Tag lag tief dort unten ein Körper hingestreckt. Daneben fuchtelte jemand und schrie Mordio. Hinter Karl sagte die gelassene Stimme seiner Mutter: «Der Mensch soll still sein und heraufkommen.» Karl bemerkte erst jetzt, daß sie die Soldaten schon fortgeschickt hatte. Er gab dem Mörder dort unten ein Zeichen. Inzwischen erfuhr Madame Catherine durch mehrere kurze Fragen, was ihr schwerfälliger, aber ungebärdiger Sohn angestellt hatte.
«Ligneroles», redete sie den jungen Menschen an, als sein Kopf über der Treppe erschien, «Sie haben dem König einen guten Dienst erwiesen.»
«Es ist gern geschehen, Madame», leichtherzig sagte der junge Mann es. Er erwies sich alsbald als redselig. «Hauptmann Amaury war ein heimlicher Hugenott, wußten Sie es nicht, Madame? Ihre Pläne gegen seine Partei, er hatte sie erraten, er war sehr erregt vorhin, und durch ihn weiß auch ich, seit heute nacht, von dem, was bevorsteht. Ich bin dabei! Mit Freuden! Das soll mal eine fröhliche Schlächterei werden!»
Karl der Neunte, dies hören und schlottern in seinem Hemd. Er mußte sich anlehnen. Nur gut, daß der junge Ligneroles vor ihm stand und daß Madame Catherine sie beide sicher im Auge behielt. Sie sprach behäbig und fett: «Heute haben Sie sich bewährt und verdienen eine Stärkung, kommen Sie, junger Mensch!» Watschelnd führte sie ihn in ihr Schlafzimmer, öffnete einen niedrigen, breiten Schrank, der außen mit großen, eckigen Kegeln bewehrt war, und schenkte Wein ein.
«Jetzt aber gehen Sie schlafen», sagte sie, als Ligneroles sein Glas ausgetrunken hatte und auf einmal völlig erschöpft aussah. «Heute haben Sie dienstfrei», bemerkte sie freundlich, aber er verstand sie wohl nicht mehr, er taumelte hinaus. Sie blickte ihm nach bis zur Treppe, die er ganz plötzlich, steif und mit dem Kopf voran, hinunterfiel. Dann schloß Katharina von Medici befriedigt die Tür.
«Er hat sich den Hals gebrochen», erklärte sie behaglich. «Es war auch angezeigt, damit du wieder deine roten Wangen bekommst, mein Sohn. Das ist vorbei. Gewiß macht nur noch der graue Morgen, daß wir beide fahl aussehen.»
Dieselbe Morgenstunde
Dieselbe Morgenstunde war rosig mit Tönen von Orange in dem Garten zu Nérac, wo sie Henri Navarra überraschte, da er sich noch immer nicht trennen konnte von Fleurette, der siebzehnjährigen Tochter des Gärtners.
«Du mußt gehen, mein Liebling. Schon steht mein Vater auf: Wenn er dich hier sieht, was wird er denken?»
«Nichts Böses, mein Herz. Ein treuer Diener meiner Mutter kann nicht glauben, daß ich ihn kränken will.»