Moralité[3]

Voyez ce jeune prince déjà aux prises avec les dangers de la vie, qui sont d’être tué ou d’être trahi, mais qui se cachent aussi sous nos désirs et même parmi nos rêves géné-reux. C’est vrai qu’il traverse toutes ces menaces en s’enjouant, selon le privilège de son âge. Amoureux à tout bout de chemin il ne connait pas encore que l’amour seul lui fera perdre une liberté qu’en vain la haine lui dispute. Car pour le protéger des complots des hommes et des pièges que lui tendait sa propre nature il y avait alors une personne qui l’aimait jusqu’à en mourir et c’est celle qu’il appelait la reine ma mère.[4]

Der Louvre

Die leeren Strassen

Der Sohn der Toten auf dem Weg zu seiner Hochzeit blickte munter umher, in seiner Lust zu reiten. Der Wind brachte ihm schon eine Ahnung der Düfte vom Hof, das Essen, die parfümierten Menschen, die Frauen, die sich nicht bitten lassen, sondern umgekehrt, sie bitten uns. Er beschloß, bei ihnen Erfolge zu haben, dafür war er kühner als andere, und in beiderlei Hinsicht, geistig und körperlich, war er seiner sicher bei dem Geschlecht. Auch Margot sollte mit ihm zufrieden sein: die witzigsten Sachen fielen ihm für sie ein. Man konnte es den Freunden nicht wohl eingestehen, aber der schlechte Ruf der Braut hatte nichts Abstoßendes, im Gegenteil, sie versprach mehr. In diesem Zustand fand der junge Reisende die neugierigen Dorfmädchen meistens begehrenswert, saß mehrmals ihretwegen ab und küßte sie. Nachdem sie schon davongelaufen waren, wunderten sie sich noch, wie gut ein Hugenottenprinz küssen konnte.

In dem angewachsenen Haufen der Reiter wurde hinten anders gesprochen als vorn, und die Zuletztgekommenen waren noch ganz erfüllt vom Zorn über ihre ermordete Königin. Sie ritten zu keinem Fest, als nur zu der Lustbarkeit ihrer Rache: jeden am Hof wollten sie herausfordern. Ihre Gesinnung drang zuweilen nach vorn, auch Henri und seine Freunde wurden von ihr ergriffen. Mornay kündigte dann die alleräußersten Gefahren an, die bei Hof auf sie warten sollten.

Du Bartas verfiel seiner Verzweiflung an der Menschennatur, und Agrippa d’Aubigné begriff die Absichten Gottes, wenn er uns Feinde gab. Henri erwiderte ihm darauf mit verkrümmtem Mund, die Augen verwirrt vom Entsetzen und der Wut:

«Um die alte Giftmischerin hab ich ihn nicht gebeten. Die schuldete Gott mir nicht!»

Ja, zuzeiten, da der Haß des ganzen Haufens in ihm selbst vereinigt war, mußte er plötzlich fragen: ‹Bin ich denn verrückt? Reite auf meine Hochzeit mit der Tochter der Mörderin, und noch steht vielleicht der Sarg meiner Mutter über der Erde! Wer aber wird das nächste Opfer sein? Ich treibe mein Pferd an und habe es eilig, nicht nur die Ehre preiszugeben, sondern sogar mein Leben. Das Gift im Leibe muß furchtbar sein›, dachte Henri und fühlte schon im voraus eine unbekannte Kälte und Lähmung.

Seine Furcht und sein Haß machten ihm Ohren für die Stimmen weiter hinten, die sich empörten gegen diese friedliche Fahrt. Der Friede wäre gebrochen! Das Heer müßte zusammengezogen, der Admiral zurückgeholt werden. Paris, das vor ihnen schon gezittert hatte, sollte sie diesmal kennenlernen, und nicht als liebe Gäste! Deswegen wurde haltgemacht, beraten und gezögert. Deswegen vergingen die Wochen. Kamen aber endlich alle, sogar Agrippa, ins Schwanken, dann grade befahl der König von Navarra: «Aufsitzen! Weiter!» — und unterwegs im Reiten sang er, wie das Kind, das durch den dunklen Wald muß.