Der Sohn der Toten sprang auf. «Das habt ihr getan? Das habt ihr euch erlaubt!»
Caillard blieb traurig und selbstbewußt. «Nicht nur den Körper Ihrer Majestät habe ich auf ihren Befehl öffnen lassen: auch ihren Kopf. Denn die Königin litt im Kopf an heftigem Kitzel und befürchtete eine Krankheit, die sie ihren Kindern vererbt haben könnte. Sie beharrte dabei, obwohl ich ihr zu bedenken gab, daß ohne Gottes Willen keine Vererbung stattfände.»
«Beweise!» rief Henri und stampfte auf. «Sonst glaube ich von alldem kein Wort.»
Da zog der Mann wahrhaftig eine Rolle hervor, überreichte sie dem Sohn, und Henri las den Namen seiner Mutter, geschrieben von ihr selbst, er konnte nicht zweifeln. Darüber stand von anderer Hand ihre Verfügung, wie der Arzt sie berichtet hatte.
«Was habt ihr gefunden? Schnell, ich will es wissen!»
Diesmal sprach wieder der Chirurg. «Im Körper alles, was Herr Caillard vorausgesehen hatte. Die Verdickung in der angegriffenen Lunge und das Geschwür, das durch Zerplatzen zur Ursache des Todes geworden war. Im Kopf aber dies.»
Wie ein Taschenspieler, mit halbem Lächeln über sein gelungenes Kunststück, zeigte er auf den Tisch, wo ein großes, mit Linien bedecktes Blatt lag. Kurz vorher war dort die leere Platte gewesen. Henri sah näher hin und erschrak: auf dem Papier erschien ein Schädel, der Schädel seiner Mutter. Der Chirurg berichtete: «Nachdem ich den Kopf der Königin aufgesägt hatte —»
«In meiner Gegenwart», schob schnell der Arzt ein.
«Sonst wäre der Schädel auch nicht aufgegangen. Nachdem ich ihn denn geöffnet hatte, fand ich unter der Schädeldecke gewisse Blasen, gefüllt mit wässeriger Flüssigkeit, die sich, als die Besitzerin des Schädels noch lebte, über die innere Schwarte ergossen haben mußte.»
«Daher das sonst unerklärliche Kitzeln», bemerkte der Arzt. Der Chirurg stieß ihn in die Seite und quäkte: «Dieser hat es erklärt. Ich könnte das nicht. Nur die Zeichnung ist von mir. Sehen Sie, wo mein Finger liegt?»