Viel langsamer diesmal, näherte er sich Karl dem Neunten. Dieser sah ihn noch nicht. Vielmehr nahm er seinen schrägen Blick wieder zurück und stellte sich, als beschäftige ihn nur seine Meute. Zwei der Hunde hatten sich ineinander verbissen: er ermunterte sie durch Zurufe, damit sie nicht losließen. Plötzlich schrie er in das Gekläff:
«Ich mag die beiden nicht. Dann muß man sie sich gegenseitig totbeißen lassen.»
Infolge dieses Empfanges, den er noch alberner als unschicklich fand, machte Henri eine Wendung, um fortzugehen. Da trennte sich Karl von seiner Beschäftigung und folgte ihm. «Navarra! Was hat Ihnen die Königin, meine Mutter, gesagt?» Dies mit Seitenblick. Henri bekam den Eindruck: ‹Der hat hier unten in großer Unruhe auf mich gewartet!›
«Wir sprachen meistens von Schädeln, einmal auch, ich weiß nicht von welcher Mörderei. Es war lustig, und Madame Catherine gefällt mir, ich ihr übrigens auch.»
Karl indes fuhr auf, er zitterte und wankte.
«Um Gottes willen, Navarra, ich will von Morden nichts mehr wissen! Noch nicht lange her, haben aus meiner Leibwache zwei sich umgebracht, wie hier die bösen Hunde. Die Königin, meine Mutter, trägt immer den ganzen Kopf voll schrecklicher Dinge.»
«Dasselbe behauptet sie von Ihnen», warf Henri hin: sofort klappte dem König von Frankreich der Mund zu, ja seine Gestalt schrumpfte ein. Wenn er toll war, wie seine Mutter ihn nannte, seine Angst übertraf noch seine Wut. Er wurde gelblich bleich inmitten aller weißen Seide, mit der er bekleidet war. Erst bei diesem Anblick kamen dem Sohn der toten Jeanne Bedenken. Das Gewissen Karls war zu offenkundig schlecht. Er und seine Mutter, die sich gegenseitig für verrückt erklärten, den Verrat welcher Geheimnisse befürchtete jeder vom anderen? Worte seiner Freunde kehrten dem jungen Henri in den Sinn zurück: ‹Sie werden der zweite sein. Sammeln Sie die von der Religion! Natürlich wäre es geraten, diese Mördergrube hinter sich zu lassen, solange noch Zeit ist. Meine Schwester holen und fort inmitten des berittenen Haufens! Indessen, das tut man nicht, weil man im Gegenteil hergekommen ist, um das Fürchten zu lernen — und überdies nahen dort zwei Mädchen, geleitet von Pfauen mit funkelndem Gefieder, die ihnen vorausgehn, als würden sie an Zügeln gelenkt. Die eine ist Margot, leibliche Tochter der Giftmischerin›: dies das erste, was Henri durch den Kopf schießt. Aber sein anderer Gedanke holt den ersten sofort ein: ‹Margot ist schön geworden!›
Das Labyrinth
Seine ersten Schritte waren voll Freude: «Ah! Liebe Margot!» rief er laut. Karl der Neunte wendete sich verwundert um; dann schien er zu den Hunden zurückzukehren. Die Prinzessin von Valois sprach erst, als Henri schon vor ihr stand, da sagte sie: «Ich hoffe, daß Sie gut gereist sind.»
«Mit Ihrem Bild vor Augen», versicherte er sofort. «Aber es reicht nicht an die Wirklichkeit heran. Wer ist Ihre hübsche Freundin?»