Er dachte: ‹Margot, Margot, mit dem Guise sollst du nicht mehr schlafen, denn ich werde dich reichlich beschäftigen.›

Inzwischen nun hatte sie längst angefangen, ihm ein kühles lateinisches Kompliment über seine Feldzüge und Kriegstaten zu machen. Er versicherte sie in derselben Sprache seiner Huldigung für ihre Gelehrsamkeit und Bildung, vereint mit hoheitsvollem Auftreten. Jeder bemühte sich, die vollkommensten Sätze zu bilden, aber beide dachten dabei an das andere.

Plötzlich, änderte sie das Gespräch.

«Sie haben eine Beratung mit meiner Mutter gehabt.»

Er erschrak, wie ertappt, denn sein Gefühl, was er auch sonst sprach oder dachte, blieb eigentlich: ‹Tochter der Mörderin!›

«Unter vier Augen», sagte sie. «Über einen schmerzlichen Gegenstand, wie ich glaube. Ich bin voll Mitgefühl.» Ihre blaugemalten Lider klappten mehrmals, endlich blinkte eine Träne. Sofort griff er nach ihrer Hand, er flüsterte: «Kommen Sie fort von hier!» Denn hinter ihnen ahnte er den Seitenblick ihres Bruders Karl. Zierlich führte er sie über den offenen Gartenweg, aber kaum hinter einer Hecke angelangt, fragte er stürmisch: «Haben Sie meine Mutter zuletzt noch gesehn? Woran ist sie gestorben? O sprechen Sie doch!» Denn natürlich schwieg sie.

«Aber Sie wissen, was erzählt wird?» Er drang in sie. «Gestehen Sie mir doch, was Sie davon halten! Sie wollen nicht? O Margot! Das ist schlimm.»

Anstatt zu antworten, betrat sie den Eingang zwischen den hohen Hecken, obwohl dies ein Labyrinth und sogar beim Schein der Sonne nicht hell war. Aber ihr Empfinden riet ihr, daß er sie jetzt nicht genau sehen sollte, und sie ihn nicht. Er blieb im Gehen an ihrer Schulter, berührte sie bei jedem Schritt, und seinen Atem spürte sie auf ihrem Hals.

«Ich bin in einer furchtbaren Not. Ich tappe im Dunkeln und finde den Ausgang nicht.» Grade so irrten sie hier durch die engen Windungen. «Ich habe immer, immer dein gedacht!» sagte er plötzlich mit einem so tiefen Beben, daß sie anhielt und ihn ansah: er hatte Tränen in den Augen. Diese waren zweifellos echt, aber ebenso sicher erwartete er, daß sie endlich gerührt wäre und mit der Wahrheit herauskäme.

«Ich kann doch selbst nichts behaupten», begann sie, atmete erregt und brach ab.