— Meine hübsche Spule ist verloren, sagte sie. Und ich wollte Lilis Kleid sticken!

Aus der weit offnen Tasche ihres kurzen Rockes guckte ein kleiner regelmäßiger Porzellankopf mit einem außerordentlichen Schopf blonder Haare.

— Komm, sagte leise der Junge. Sicher sucht dich das Fräulein schon.

Sie ließ sich fortziehen, während sie sich die Augen mit dem tintenfleckigen Handrücken wischte.

— Und warum heut morgen auf einmal? fragte der Junge. Gestern wolltest du nicht mehr.

— Sie hat mich mit ihrem Besenstiel geschlagen, erzählte das kleine Mädchen und drückte die Lippen aufeinander. Geschlagen und mich im Kohlenschrank eingesperrt, mit allen Spinnen und Tieren. Wenn ich zurückkomme, dann steck ich den Besen in ihr Bett und zünde das Haus an mit den Kohlen und töte sie mit der Schere; ja, das tu ich. (Sie machte ein spitzes Mündchen.) Oh! nimm mich mit fort, daß ich sie nie mehr wiedersehe. Ich fürcht mich vor ihrer dünnen Nase und vor ihrer Brille. Aber ich habe mich gut gerächt, bevor ich davonging. Weißt du, sie hat das Porträt ihres Papa und ihrer Mama in Samt auf dem Kamin stehen. So ganz Alte, weißt du, nicht wie meine Mama. Aber du kannst das nicht wissen. Ich hab sie ganz mit Sauerampfersalz verschmiert. Sie sehen gräßlich aus. Es ist gut geworden. — Du könntest etwas sagen, übrigens.

Der Junge schaute auf das Meer. Es war düster und neblig. Ein Regenvorhang bedeckte die ganze Bucht. Man sah weder die Klippen noch die Bojen. Manchmal bekam das aus fadenförmigen Tröpfchen gewobene Laken ein Loch, und man sah Bündel schwarzer Algen.

— Wir können diese Nacht nicht weiter, sagte der Junge. Wir müssen in die Zollhütte gehen, da gibt es Heu.

— Ich will nicht, das ist schmutzig! rief das Mädchen.

— Wie du willst. Du möchtest wohl gar dein Fräulein wiedersehn?