Ist das Wort: ‚Mariensohn!‘“

Friedels Angst war bald geschwunden. Ja, es beschlich ihn eine süße, wunderbare Ahnung, die ihn trieb, in die letzte Strophe mit hellem Ton einzustimmen.

Aber horch! Welch schreckliches, unheimliches Brummen tönte jetzt aus dem alten Gemäuer? In tollen, seltsamen Sprüngen kam eine kleine vermummte Gestalt drohend auf den Jüngling zu. Der aber war aufgestanden und erwartete ruhig die geheimnisvolle Erscheinung.

„Tobi, alter guter Tobi!“ rief er. „Laß doch die Mummerei! Kennst du mich denn nicht mehr?“

Da stand die dunkle Gestalt still, ein paar scharfe Augen blickten aus dem Bärenfell dem Gaste ins lächelnde Antlitz. Plötzlich aber ward die Verhüllung abgeworfen, und mit dem Rufe: „Er ist’s, der Totgeglaubte!“ hing der treue Knecht an Friedels Halse.

Herzlich erwiderte dieser die Liebkosung, machte sich jedoch bald los und blickte unverwandt nach dem Hause hinüber. Siehe, da fiel das Silberlicht des Mondes auf die niedere Türöffnung und bestrahlte die schlanke jungfräuliche Gestalt, die ganz still auf den verfallenen Stufen stand! In leichten Wellen umfloß das goldene Haar ihre Schultern; das schlichte Gewand von grobem Linnen glänzte im Mondschein wie weiße Seide.

Eine Weile stand Friedel ins Anschauen versunken. Die Überraschung, das Glück war allzu groß! Dann flog er mit ausgebreiteten Armen auf die liebliche Erscheinung zu und drückte sie mit Freudentränen ans treue Herz.

„Du bist mein!“ flüsterte er. „Die Mutter gab dich mir, ehe sie starb! Ihr Segen ruht auf uns!“

„Ja, dein bin ich!“ erwiderte sie leise. „Ich wußte, daß du kommen würdest. Alle hielten dich für tot; mir sagte mein Herz, daß du lebtest. O, schütze mich, Geliebter, rette mich!“

„Droht dir Gefahr?“ fragte Friedel erschrocken.