Friedel aber sträubte sich gewaltig gegen die Mönche, schrie, schlug und stieß mit Händen und Füßen um sich, kratzte und biß. Bald aber sah er, daß es ihm, zwei starken Männern gegenüber, gar nichts nützte. Da ward er plötzlich ruhig und ließ sich ganz geduldig fortführen.
Als der Greis aus seiner Ohnmacht erwachte, war die Hütte leer; wenige Minuten hatten ihn des einzigen irdischen Glückes beraubt, das er noch besessen. „O barmherziger Gott“, seufzte er, „nimm doch meine müde Seele zu dir! Was soll ich auf der Wanderschaft? Ich werde nur eine Last sein.“
Wie er die drei Tage überstand, war ihm selbst unbegreiflich. Sein einziger Trost war, inbrünstig für das Seelenheil seines Lieblings zu beten. Zuweilen trat er hinaus vor die Hütte, um nach dem Kloster hinüberzuschauen, dessen Mauern und Türme etwa eine Stunde weit entfernt in der Wintersonne glänzten. Wie mochte es dem Kinde gehen? Ach, es war ja kaum möglich, daß es treu bleiben konnte! Es war noch allzu jung, leichtherzig und unwissend.
Am letzten Abend übermannte ihn die Müdigkeit; er streckte sich aufs harte Lager und schlummerte einige Stunden. Da weckte ihn mitten in der Nacht ein leises Klopfen an der Tür. Erschrocken fuhr er auf. Wer mochte es sein? Was konnte man ihm noch rauben wollen? Aber, o Wunder! Draußen tönte eine traute Kinderstimme: „Ich bin’s, Großväterle; dein Friedel. O, laß mich ein; geschwind, geschwind!“ Und im nächsten Augenblick hing der Knabe jauchzend an seinem Halse.
„Hast du nicht gleich gedacht, daß ich wiederkommen würde?“ fragte er. „Ganz zufrieden hab’ ich mich gestellt, gegessen, gelacht und gespielt wie die andern Kinder. Da ließen sie mich bald außer acht, und ich konnt’ mir die Gelegenheit zur Flucht besehen. Diese Nacht, als mein Bettgenoß fest schlief, und der Mönch, der uns hüten sollt’, gewaltig schnarchte, hab’ ich leise das Fensterlein geöffnet. ’s war eben weit genug zum Durchschlüpfen. Am Weingeländer hinab in den Garten, vom hohen Baum hinauf auf die Mauer, und von da in gewaltigem Sprung hinaus ins Freie, gerade in einen Schneehaufen, den der Sturm zusammengeweht. Ja, ja, sie wußten nicht, wie ich klettern und springen kann! Vorher hatt’ ich aber heiß gebetet, Großvater, so heiß wie noch nie. Und sieh, Gott hat mir geholfen!“
„Mein Herzenskind, o Gott sei ewig Lob und Dank! Vergiß es nie, im ganzen Leben nicht, mein Friedel! Aber du zitterst vor Kälte; lege dich nieder, daß ich dich in die Wolldecke hülle.“
„Nein, Großvater, das geht nicht. Wir müssen fort, gleich, noch in der Nacht. Sie kommen gewiß, mich zu suchen. Da müssen sie die Hütte leer finden, und wir müssen weit weg sein.“
„Du hast recht, Bübli; ruh’ nur ein Weilchen, bis ich uns Milch wärme und noch ein Bündlein schnüre mit deinen Sonntagskleidern und was dir sonst noch wert ist.“
In einer halben Stunde schritten sie über die Schwelle der geliebten Hütte, so schwer beladen, wie es ihre schwachen Kräfte erlaubten. Andreas betete:
„In Gottes Namen fahren wir;