»Krank? So allein, und fern von den Ihren!« rief der weichmütige Jüngling in ganz verändertem Ton. »Das ist mir herzlich leid! Habt Ihr denn dienliches Gelaß für einen Kranken?«

In diesem Augenblick öffnete sich im Hause ein Fenster; ein Mägdlein schaute heraus und rief:

»Vater, kommt doch herauf und helft mir! Die Kranke liegt im Fieber und weiß nicht, was sie tut. Allzeit strebt sie vom Bett empor; ich kann sie nimmer halten!«

»So ruf der Mutter! Ich bin ein Wirt und kein Krankenhüter«, war die rauhe Antwort.

»Habt Ihr denn keinen Arzt im Städtchen?« fragte Gottfried.

»Ist über Land! Kommt erst morgen wieder.«

»Meine Mutter war in der Arzneikunst wohlbewandert«, sprach Gottfried zögernd; »ich pflegte gern von ihr zu lernen und könnte wohl Linderung schaffen. Führt mich doch zu der Kranken!«

»Braucht's keinen Führer! Dort ist die Tür und drin ist die Treppe!«

Am Brunnen, der mitten im Hofe plätscherte und von allerlei fahrendem Volk umlagert war, erbeutete Gottfried einen Krug, füllte ihn mit frischem Wasser, und erklomm die wacklige Stiege. Droben fuhr er erst zweimal in falsche Kammern und ward von den Bewohnern unsanft angeschrien; aus der dritten aber tönte mattes, ängstliches Rufen, und, o Wunder! es war ihm, als höre er seinen eigenen Namen. Eine seltsame Ahnung durchzuckte ihn. Wer, ach wer, mochte die alte Frau wohl sein, die ganz allein so weit herkam?

Nur wenig konnte er erkennen in dem Halbdunkel der dritten Kammer, wo das Bett im düstersten Winkel stand. Freundlich trat ihm das Wirtstöchterlein entgegen.