»Seid Ihr ein Arzt«, bat sie, »so helft der Armen schnell; sie leidet große Angst.«

»Ein Arzt bin ich nicht; will aber tun, was ich kann. Zuerst nehmt ihr das schwere Federbett ab, das sie fast erdrückt. So, das Leintuch ist genug! Aber es ist ja fast finster; könnt Ihr kein Lämpchen verschaffen?«

»Es wird nicht gern erlaubt in den Kammern wegen der Feuersgefahr. Wollt Ihr für alles haften mit Silber?«

»Ich will; aber eile, gutes Mädchen!«

Nun war er allein mit der Kranken, die halblaut vor sich hin sprach: »Er war ein guter Herr! Haben sie ihn gemordet? O wie heiß ist's! Wasser! Wasser!«

Tastend fand Gottfried einen irdenen Becher, füllte ihn, suchte das Haupt der Kranken zu stützen und reichte ihr den erquickenden Trank.

»O, das war gut! Bist du ein Engel? Kommen Engel hierher? Ich bin ja im Feuer!« sprach sie halblaut vor sich hin.

Die Stimme, so matt und heiser sie auch klang, bewegte ihn seltsam. Aber nein, die Mutter konnte es nicht sein! In starken Zöpfen hatte das volle Haar ihr Haupt umgeben, als er mit zerrissenem Herzen von ihr schied; stattlich war ihre Gestalt, voll ihre Wange gewesen! Aber die Kranke, die er jetzt aufrecht hielt, um ihr noch einmal den kühlen Trank zu reichen, war dürr und abgezehrt, und nur eine spärliche ergraute Haarflechte hing lose über das Nachtkleid herab. O, wenn doch endlich Licht käme!

»Fühlt Ihr Euch erquickt durch den Trank?« fragte er sanft. »Darf ich Euch ein feuchtes Tuch um die heiße Stirn winden?«

Da fuhr die Frau empor: »Wer spricht zu mir? Wo bin ich? Haben sie ihn getötet? Er war so fromm; wie kann er da sein, wo ich bin?«