»Und was tatest du?«

»Ach Thomas! Ich griff nach meinem Messer und wollt's ihm in die Brust stoßen! Doch war's nur ein Augenblick! Gott wolle mir's vergeben! Dann kniet' ich dicht zu ihm hin und sagt' ihm alles, was ich wußte von der Gnade des Heilandes, vom Schächer am Kreuz, und von der Freude der Engel über einen Sünder, der Buße tut. Was ich etwa für Trostsprüchlein gelernt hatte, seit ich bei dir bin, die sagt' ich ihm alle. Ich sagt' ihm auch, daß du gerettet seist, und der Goldschmied in Frieden gestorben!«

»Und er?«

»Er ward endlich ruhiger und faltete seine Hände. Aber ich ward auch matt, und zuletzt sank ich um, und die Sinne vergingen mir. Als ich erwachte, schien der Mond still am Himmel; ein alter Bauer beugte sich über mich, und freute sich, daß ich wieder zum Leben kam. Der Spanier aber lag kalt und tot dicht neben mir. Der Alte brachte mich mit Mühe in seine Hütte, verband meine Wunden und pflegte mich lange Zeit, denn ein schleichendes Fieber hatte mich ergriffen. Zum erstenmal in meinem Leben war ich krank! Als ich genas, blieb ich lange schwach und konnte nicht ans Wandern denken; half nur dem braven Alten ein wenig in seinem Garten, der arg verwüstet war. Und du siehst ganz bleich aus, Thomas! Mach', daß du zu Bett kommst und schlaf in Frieden!«

Da schlang der Pfarrer den Arm um des Freundes Hals und sprach:

»Ich danke dir, Dietrich! Du hast mich an meinem Todfeind gerächt, wie es Christen ziemt. Ob deine Worte in das geängstete Herz gedrungen sind, weiß Gott allein.«

Ganz geräuschlos, als sei er überhaupt nicht fortgewesen, übernahm Dietrich all seine verschiedenartigen Geschäfte wieder, wußte die Dienstleute im Pfarrhause, die es bei Thomas und Anna fast zu gut hatten, in Respekt zu erhalten, und war Hausfreund und Ratgeber im ganzen Dorfe. Thomas aber war damit nicht ganz zufrieden.

»Herzensfreund«, sprach er eines Abends zu ihm, als sie noch spät zusammen im Garten auf und nieder gingen, »es wird nun hohe Zeit, an dich selbst zu denken. Ein schmucker Bursch bist du immer noch, aber aus dem Kriege hast du auf deinem Schwarzkopf etliche weiße Haare mitgebracht.«

»Die sind von der Nacht, da ich des Spaniers Todesangst mit erlebte.«

»Das glaub' ich wohl; aber Zeit ist's, dir selbst eine Heimat zu gründen. Sieh, ich verdank' dir ja mein Leben! Laß mich dir doch helfen, ein Häuslein bauen, und führ' eine wackere Bürgerstochter herein als Ehegemahl. Deiner fleißigen, kunstfertigen Hand wird's an Gewinn nicht mangeln.«