Da fuhr der Kopf empor, und ein paar blitzende Augen sahen den guten Jungen zornig an. »Ich weine nicht!« rief der Kleine heftig. »Niemand soll mich weinen sehen! Mußt' herumschleichen und andere Leut' belauschen?«
»Nein, nein, du weinst jetzt nicht mehr«, versicherte Thomas. »Aber sehr traurig bist du doch. Bist du auch ein neuer Schüler wie ich?«
Der Junge nickte und ballte die kleine, derbe Faust. Dann musterte er den andern mit forschendem Blick und fragte endlich:
»Bist du willig hierher gekommen oder gezwungen?«
»Recht willig«, erwiderte Thomas. »Ich mag gern geistlich werden, denn mein Sinn steht nach innen.«
»Der meine aber steht nach außen!« rief der andere aufspringend. »Ein Reiter will ich werden mit Schwert und Schild, oder ein Schiffer, der in die weite Welt fährt und mit dem Sturm kämpft.«
»Wer hat dich denn gezwungen, hierher zu kommen?«
»Mein Vater! Als Buße für eine schwere Schuld gelobte er mich dem Kloster. Und ich soll nie mehr heraus! Er hat's gelobt, daß ich ein Mönch werde!«
»So sei zufrieden. Sie sagen, es sei ein gut und friedlich Leben.«
»Das mag ich eben nicht; es ist mir ein Greuel! In frischen, lustigen Kampf möcht' ich ausziehen und viel Wunderbares erleben. Aber du gefällst mir! Du hast Augen wie mein lieb Mütterlein, das gestorben ist, und sprichst gut und sanft wie sie. Reich' mir die Hand, wir wollen Freunde sein.«