»Er selbst wohl nicht. Was sollte dann aus der Werkstatt werden? Ich hab' gehört, er werde sein Töchterlein herausschicken im Schutz der ehrsamen Witwe, die es seit dem Tode der Mutter so wohl gehütet. Um uns wird sich kaum jemand kümmern.«

Aber schon am nächsten Tage klopfte es an Gretes Küchentür, und eine nettgekleidete Bürgersfrau mit sehr freundlichem Gesicht trat herein, ein liebliches Mägdlein mit langen blonden Zöpfen an der Hand führend. Ganz kindlich war das holde Gesichtchen und auch der Anzug, aber die hohe, schöngeformte Stirn, die großen, sinnigen Augen und der feine Mund deuteten auf einen lebhaften Geist. Die gute Grete, die viel Respekt vor Reichtum hatte, verbeugte sich tief und fing schon an für die hohe Ehre des Besuchs zu danken, als sie von der andern unterbrochen ward:

»Die Ehr' ist nur bei mir! Ihr seid, denk' ich, des Herrn Paters Schwester; ich bin nur die Haushälterin des Meisters van der Groot.«

»So tretet doch wenigstens in die Stube«, bat Grete.

»Nein, nein; mein Geschäft paßt eben für die Küche! Die Bank ist ja schneeweiß gescheuert und gibt Platz für drei! Komm, Annchen, grüße Jungfer Grete fein und setze dich zu uns.«

Das Mägdlein gehorchte und gewann durch den freundlichen Blick der schönen Augen sogleich das Herz der guten Grete.

»Ich soll hier wirtschaften den Sommer hindurch mit einer Magd und dem Gartenknecht«, begann Frau Berta, die Haushälterin. »Es gefällt mir nur halb! Fürs Kind mag es gut sein, es ist zart und klein für seine dreizehn Jahre. Aber für den Herrn ist's bös! Ich fürcht', er wird bald den Kopf hängen wie ein Schilf, wenn ihm sein Trostengelein fehlt. All' Sonntag will er herauskommen. Da gilt's für ein gutes Essen sorgen, denn die Woch' hindurch wird er's bald merken, daß die dumme Trine kocht statt Frau Berta. Na, er will's, also muß es sein! Nun sagt mir doch, was hier zu kriegen ist für die Küche? Milch, Mehl, Eier und Butter gibt's doch wohl?«

»Ei freilich«, erwiderte Grete, »und gesottenen Fisch dazu im Ueberfluß.«

»Ja, soll denn mein Goldkind alle Tag' Fisch essen?« rief die gute Frau. »Das geht nimmer! Ein gebraten Täubchen muß es haben und dann wieder ein Huhn, oder ein kräftig Süppchen. O, ich hab's gut gehalten; 's war ja zum Zerblasen elend, als ich's zuerst sah. Grämte sich allzusehr ums Mütterlein.«

Während nun Grete darzulegen begann, wie der Tisch des kleinen Fräuleins am besten versorgt werden könne, ward Annchen immer unruhiger, und ihr Gesichtchen immer röter. Sie mochte gar nicht gern hören, wieviel Umstände und Mühe man sich um ihre kleine Person machte. Als endlich die Küchenfrage erledigt war, und Frau Berta anfing zu rühmen, wie klug das Kind schon sei, fast klüger als ihr einziger Sohn Gottfried, der doch schon unendlich viel gelernt habe, rutschte die Kleine flink von der Bank herunter und war, husch, husch! zur Tür hinaus.