Der Winter war eingezogen, und Grete wirtschaftete emsig im Keller und auf dem Boden umher, um Aepfel und Birnen, Rüben und Kohlköpfe vor dem Erfrieren zu schützen. Da kam einst Thomas, der sich sonst herzlich wenig um die Hauswirtschaft kümmerte, ganz dreist mit einem großen Korbe dazwischen, prüfte erst genau, in welchem Strohhaufen die besten Aepfel verborgen waren, und füllte seinen Korb bis zum Rande.
»Die brauchst du nicht erst zu verwahren, die werden bald weggegessen«, sagte er ganz ruhig.
»Von wem denn?« fragte Grete, sich innerlich zum Kampf rüstend.
»Ei, von den Kindern! Ich hab' mir schon alles schön ausgedacht. Ich mach' am Christabend ein Fest; ganz herrlich! Und zuletzt kommt ein Engel, der teilt Aepfel und braune Küchlein an die Kinder aus.«
»Wo kriegst du denn die Küchlein her?«
»Ei, die mußt du backen!«
»Ich tu's nicht«, rief Grete sehr entschieden. »Alles willst du verschenken! Bringst uns noch an den Bettelstab! Von den neuen Hemden ist auch schon eins weg; gesteh's nur!«
»Gewiß! Es tat dem armen, kranken Peter gar sanft auf seinen wunden Leib. Aber wenn dich die Aepfel dauern, so behalt' sie nur! Ich eß dann freilich keinen. Und die Küchlein brauchst du auch nicht zu backen. Horch dann nur recht auf meine Mettenpredigt. Der leg' ich einen feinen Spruch zugrunde!«
»So? Wie heißt er denn?«
»Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen; der HErr ist nahe!«