Indessen war's draußen im Leutpriesterhäuschen friedlich und still. Die kleinen Vorhänge waren zugezogen. Grete ließ fleißig das Spinnrad schnurren; auf einem Schemel daneben, das Köpfchen an ihren Schoß gelehnt, saß Anna. Frau Berta war nicht zu sehen. Jetzt erhob sich das Mägdlein und bat:

»Bringt mich nun heim, liebe Grete; es wird spät. Ach, könnt' ich doch bei Euch bleiben! Frau Berta ist nimmer wie früher. Heute schalt sie mich sogar eine Ketzerin, und drohte, mich und den Vater zu verlassen. Zu Euch will sie nie mehr kommen, seit Euer Bruder am Sonntag so herrlich gepredigt hat vom heiligen Sakrament. Mir gefiel es so gut! Und es muß doch recht und wahr sein, da der Heiland selber gesagt hat: ›Trinket alle daraus!‹ Er ist doch ein Herr über alles; wie durften die Priester Seine Worte ändern?«

»So bleib doch bei mir, Kind«, erwiderte Grete. »Thomas kehrt erst morgen früh heim. Ach, was ist das jetzt für eine Zeit der Angst und Unruhe! Ehemals war's doch so friedlich.«

»Vater sagt, der Friede des Herzens bleibe uns doch, mitten im Kampf! Aber nun bringt mich heim, ehe Frau Berta kommt, um mich zu holen, und noch mehr erbittert wird.«

»So zieh das Tuch dicht übers Köpfchen, mein Liebling; die Nacht ist kühl! Horch! Da schlägt ja der Hund an! Hallo! Wer ist so spät noch draußen?«

»Oeffnet schnell«, klang es leise zurück. »Ich bin's, Gottfried! Ich bringe wichtige Botschaft!«

Wenn auch der wackere Bursche gefaßt und ruhig eintrat, bewies doch sein erhitztes, nach und nach aber erbleichendes Antlitz, sein angstvoller Blick und die beschmutzte Kleidung, daß er den Weg in höchster Erregung zurückgelegt hatte.

»Seid tapfer, Jungfer Grete«, sprach er, »und Ihr, liebes Annchen, gebt euch geduldig in Gottes Willen! Ihr müßt noch diese Nacht Haus und Dorf verlassen, da die Verfolgung täglich mehr überhandnimmt.«

»In der Nacht!« rief Annchen erschrocken. »O, warum kommt der Vater nicht, mich zu holen? Und wo ist Pater Thomas? O Gottfried, Gottfried, wie bleich bist du! Wie unheimlich funkeln deine Augen! O, sage mir schnell, wo ist mein Vater?«

»In der Stadt«, stammelte Gottfried, erschöpft auf die Bank niedersinkend.