»So widerrufe heute noch deine Teufelslehren, verfluchter Ketzer«, schrie ihn der andere an; »sonst laß ich dich zum Scheiterhaufen tragen, wenn du nicht mehr gehen kannst.«
»Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht mögen töten«, flüsterte der Sterbende, ohne sich zu regen.
»Mein armer Freund kann kaum mehr sprechen«, wandte Thomas ein. »Ich bitt' Euch, laßt mich für ihn das Wort führen, denn sein Glaube ist auch der meine!«
»Wohlan, so antworte! Aber bedenke wohl! In wenig Wochen wird man Gericht halten über alle, die hartnäckig bei der verfluchten Lehre des Wittenbergers verharren. Dem Feuer sind sie verfallen ohne alle Gnade! Sprich, was hältst du von der Anrufung der Heiligen?«
»Daß sie nichts ist«, erwiderte Thomas. »Sie sind sündige Menschen gleich wie wir. Ihrem Wandel und ihrem Glauben sollen wir nachfolgen, sofern er der rechte war. Anzurufen sind sie keinesfalls.«
»Aber Maria, die gebenedeiete Jungfrau, rufst du doch an?«
»Nimmer! Nannte sie sich doch selbst eine Magd des HErrn! Irrte sie doch menschlich, und ist selig durch den Glauben an ihren, an Gottes Sohn!«
»Wie denkst du über das Lesen der heiligen Schrift?«
»Daß alle, Große und Kleine, Gelehrte und Ungelehrte, sie lesen, lernen und darin suchen sollen, um das ewige Leben darin zu finden.«
»So meinst du wohl auch, daß Christi Blut im Sakrament allen zu reichen sei?«