Sie dachte, es sei doch langweilig hier zu sitzen mit Onkel Gustav und was wohl Richard dazu sagen möchte.
Da sagte Onkel Gustav leise: – Sie werden böse sein, wenn du zu spät zum Abendessen kommst.
– Ach was, jetzt bleib ich hier. Was mir schon daran liegt. – Das solltest du nicht tun, Ruth, sagte Onkel Gustav mit sanfter, fast demütiger Stimme. – Warum kränkst du Mutter in letzter Zeit so viel?
Ruth ärgerte sich rasend über diese, seine Stimme. – Was soll ich tun, sagte sie hart, mir alles gefallen lassen, so wie du?
Onkel Gustav schwieg. Dann murmelte er: – Du hast recht. Und dann wieder, nach einer Pause. – Nimm dich in acht!
Sie schämte sich für ihre Worte. Und flüsterte nur: – Aber du.
– Ich, Ruth, – und sie spürte sein Lächeln durch die Dunkelheit, daß ihr war, als könne sie nie wieder froh werden. – Nein, mit mir ist nichts mehr zu machen. Du mußt jetzt nichts andres sagen, Ruth, nein wirklich nicht. Nicht heute. Vielleicht bei Tage, wenn wir uns auf der Straße treffen oder wenn ich bei euch bin und Richard ist unverschämt mit mir. Dann weiß ich auch nicht, was ich jetzt weiß, denn ich bin sehr schwach.
– Aber so reiß dich doch los, schrie Ruth, daß der Terrier erschrocken auffuhr.
Die Gebüsche hinter ihnen waren näher gekrochen. Legten sich ihnen fast auf den Rücken mit all der toten Hitze, die sie den Sommer durch verschluckt hatten. Ganz nahe. Und schwer.
– Du mußt acht geben! wiederholte Onkel Gustav dumpf. Und ihr war, als sähe sie dicht neben sich, in einem alten verblichenen Spiegel, ihr eigenes Bild. Kaltes Grauen machte die Finger steif.