Draußen fällt ein grauer, dünner Regen. So sitzen jetzt an jedem Mittagstisch die Männer und erzählen ihre Wichtigkeiten. Am Abend gehen sie in das Kaffeehaus und erzählen sie ihren Freunden. Das ist alles.
Onkel Gustav sollte den Kopf nicht so vorsichtig zur Seite legen. Das ist eine Gemeinheit. Wie sagte er vorgestern: Nimm dich in acht. Das hat er gewagt. Er hat es gewagt, sie zu durchschauen. Dumm wie er ist. Und jetzt schielt er nur so mitleidig auf sie her.
Sie senkt den Kopf tief über den Teller. Sinkt ganz in sich zusammen. Und ißt irgend was, das schmeckt wie graugrüner Kohl. Ist aber etwas anderes. Sie hört das Klappern der Bestecke und das sinnlose, etwas faule Durcheinander der anderen über sich. So daß sie wieder fühlt, sie ist ganz klein und krank und liegt im Nebenzimmer in Mutters riesigem Bett. Die Tür ist offen, damit man sie schreien hört, wenn sie etwas braucht. Sie wundert sich über das Aufschlagen der Gabeln in dem Porzellan, das die kaum verständlichen Redebrocken drinnen begleitet. Sie möchte schreien und etwas verlangen und traut sich doch nicht.
Sie fragte Onkel Gustav, ob er letztesmal gut nach Hause gekommen sei. Es war doch zu gemütlich im Park. Überdies hätte sie einen Haufen Knochen für seinen Terrier gesammelt. Er solle sie nur vor dem Fortgehen daran erinnern. Sie wird ihm auch ein Buch zeigen –
Sie fragte Martha, was die Schneiderin von ihrem neuen Kleid gesagt habe. Ob es bald fertig sei. Und wie es aussehe so auf dem Kleiderhaken. Ob es ihr schon ein bißchen ähnlich sehe –
Sie erzählte Richard, daß sein Buch, das er gestern gesucht habe, in ihrem Zimmer liege, sie wisse selbst nicht wieso –
Sie bat Mutter, nicht zu vergessen, die Konzertkarten holen zu lassen –
Sie fragte den neuen Gast, ob er gern Kartoffelsuppe esse. Und ob er noch Gemüse haben wolle –
Sie wußte: Wenn ich jetzt schweige, hört man mein Besteck allein auf dem Teller. In was für einem häßlichen Rhythmus es darauf klopft. Gefräßig. Deshalb muß ich reden. Alle reden. Wäre es nicht besser, man würde mit den Füßen strampeln?
Der neue Gast spricht von seiner Braut. Das heißt, Onkel Gustav spricht von ihr. Aber es ist klar, daß er eine Braut hat. So jemand hat immer eine Braut. Und dann kommt die Hochzeit mit Myrte und Schleier.