Was ist dort oben, nahe der Decke und doch tief unten –
Ist es der Rauch aus Onkel Gustavs ewig ausgehender Zigarre. Aber nein, der raucht ja doch nicht. Man ist erst bei der Mehlspeise. Große, gelbe Patzen, glitschig in einer lichten Eiersauce.
Nein, es ist nicht Rauch, aber grau und massig, ineinander überlaufend, ohne Grenzen. Schwergewichtig und doch oben schwebend. Zu bleich, um es wirklich sehen zu können. Und doch da. Verbunden mit allen Adern, allen Sehnen, durch die Fingerspitzen hindurch –
Es steigt auf aus Richards kühlen, vorsichtigen Gelenken, wie er langsam die Mehlspeise zerlegt.
Aus den hundetreu furchtsamen Augen des Fremden.
Aus Marthas abgetragener Samtbluse.
Aus Onkel Gustavs rundem Rücken, aus Mutters lauten Reden.
Es steigt auf aus ihr selbst, aus Ruth, aus ihrem farblos schlafsuchenden Vormittag. Und dort oben ist es eng hineingefügt, schlangenartig umwickelt von all dem anderen, festgebissen.
Hier um den Tisch herum glaubt jeder, daß er etwas für sich ist. Richard vor allem, der so klug ist, daß Mutter immer sagt, er muß Bankdirektor werden oder Finanzminister. Aber das ist gar nicht wahr. Richard gehört dazu, genau so wie alle anderen, die hier um den runden Tisch schwatzen. Die sich ähnlicher sind als die eintönigen Ledersessel, auf denen sie sitzen.
Da oben ballt es sich zusammen. Viele Kleinschicksale – ein Kleinschicksal.