Da oben schwingt es in einem kraftlosen Rhythmus. Selbstbewußt. In dem selben Rhythmus, in dem man in das Geschäft geht oder in das Amt oder in die Schule, wenn man brav gelernt hat. In dem man zum Traualtar geht, wo man eine anständige Partie macht, in dem man Sonntags am Korso seinen neuen Hut zeigt, in dem man sich zum Geburtstag gratuliert, in dem man hinter dem Sarg seiner Lieben geht, in dem man ins Himmelreich hinein trottet, in dem man –

Agnes zerbrach ein Glas. Ein flüchtiger Sonnenstrahl stahl sich durch den feinen sprühenden Regen über das verschobene Tischtuch.

Gott sei Dank. Es schadet auch nichts, daß Mutter und Martha böse Gesichter machten. Auch nichts, daß sie drei Tage darüber unglücklich sein werden. Gott sei Dank.

Ruth nickte dem Herrn Norbert von – und dann kommt etwas mit „berg“, strahlend zu. Der brauchte doch nicht auch betrübt sein über das zerbrochene Glas. Er sah sehr unglücklich drein. Wahrscheinlich mehr aus Höflichkeit. Oder vielleicht wegen irgend etwas anderem.

Diese Agnes war doch wirklich nicht salonfähig. Zu kräftig. Wenn sie bei der Tür hereinkam, mußte eigentlich etwas umfallen in den hohen, schmächtigen Räumen. Durch die bloße Anwesenheit ihrer saftvollen Arme. Sicher hatte sie an den Kerl gedacht mit den aufgewirbelten, schwarzen Schnurrbartspitzen. Der immer in der Küche steckte und den Hut nie herunternahm. Einen riesengroßen, hellgrauen Deckel, der schief über dem linken Ohr saß, immer ganz gleichmäßig schief über dem linken Ohr. Toll einfach. Morgen ist Sonntag, sie geht mit ihm zum Karussel, mit knallblauem Seidenhut und das Werkel spielt –

Ruth pfiff, wie man von Tisch aufstand, einen Gassenhauer und konnte trotz Mutters Entsetzen so nicht aufhören, daß sie in ihr Zimmer lief, um weiter zu pfeifen. Dort riß sie das Fenster auf. Die Sonne schien hell.

Norbert sagte mit seiner zu leisen, fast näselnden Stimme zu Gustav: – Deine Nichte Ruth scheint etwas – nun – etwas aus der Art zu schlagen.

– Ruth? ... Gustav war ungeheuer erstaunt – Ruth, die ist doch wie wir alle. Er betonte das „wir“ mit einer gewissen gesättigten Befriedigung. Allerdings, sie ist sehr kindisch und ganz unreif, eigentlich viel zu unreif für ihr Alter, denk nur, schon zwanzig Jahre. Man weiß gar nicht, was mit ihr anfangen. Übrigens, findest du, daß sie mir ähnlich ist? – Nein.

Geld

Mutter war nicht zum Glück geboren. Aber sie hätte eine entthronte Königin werden müssen. Und in Schmerz und Größe schwelgen. So war sie kleinlich und mißtrauisch, zankte mit der Köchin um jeden Heller. Und wurde dann bestohlen, wie überhaupt von allen Leuten des unteren Standes. Weil ihre Stimme so befehlend schroff war, daß sie sie für mächtig, Ehrerbietung fordernd und hassenswert hielten.