Und von Richards Sachen erst recht nicht. Die waren alle abgebürstet und ordnungsgemäß aufgestellt. Numeriert. Vom ersten Schulzeugnis an bis zur letzten Tagebuchseite. Denn Richard führte ein Tagebuch. Das war sehr genau. Es standen alle Einnahmen und Ausgaben darinnen.

Mutters Besitztümer aber steckten in vierfach verbundenen Papiersäckchen und rochen nach Lawendel.

Ruth wollte und mußte etwas haben. Etwas Außergewöhnliches, etwas unsagbar Schönes, etwas Wunderbares, etwas noch nie Dagewesenes, wenigstens noch nicht in ihren düsteren Zimmern.

Als sie ihr nächstes Taschengeld bekam, ging sie durch die ganze Stadt es zu suchen. Als es schon Abend war, fand sie in einer Auslage einen Korb voll tiefroter Rosen. Festgeschlossen hingen sie schwer in den schlanken, wiegenden Stengeln. Und die wenigen Blätter, die schon offen waren, waren weich und dunkel in ihrem Innern, daß sie Ruths Kopf zur Seite senken ließen und die Augen schließen.

Sie kaufte sechs von den schönsten, strich mit den Händen über die heißen, großen Stacheln und ging mit federnden Schritten nach Hause.

Im Speisezimmer stand Richard unter der fahlgrünen Lampe und hielt eine Rechnung in den Händen. Mutter lief erregt um den Tisch und Martha stellte verdrossen die Gläser auf.

– Was ist das Ruth, fragte Richard – eine Rechnung für vier paar Lederhandschuhe? Er war ganz ruhig, zog nur die Augenbrauen ungeheuer verwundert in die Höhe. Aber seine Stimme war häßlich vor Zorn.

Mutter rang die Hände.

– Ich weiß nicht, sagte Ruth atemlos. – Du weißt nicht und was hast Du da? Was sind das für Rosen, Ruth? Du bist wohl verrückt. Du weißt nicht, was du tust. Wie treibst du dich denn herum?

– Laß die Rosen, sie gehören mir.