Ruth setzte sich in eine Ecke. Gleich darauf kam der Leutnant. Er redete schlüpfrige Dinge und nahm ihre Hand. Sie ließ ihn gewähren, sie war interessiert, brennend interessiert.

– Sagen Sie Herr Leutnant, singt man dieses Lied jetzt überall? – Ja, es ist sehr beliebt. – Ach, ich dachte, das singt nur Bella. Es ist abscheulich. – Gnädiges Fräulein scheinen sehr streng zu sein. – O nein, ich hasse nur schlechte Musik.

Der Leutnant redete weiter. Dinge, süß wie zerlaufener Tortenüberguß und prickelnder Champagner. Eigentlich hatte er eine hübsche Nase und schöne Augen mit klugen Wimpern. Wenn nur der Mund nicht so schmierig gewesen wäre.

Sie sprachen von dem Makartbild. Der Leutnant behauptete, in Norberts Zimmer hänge ein noch viel schöneres. Sie möge ihm doch folgen. Nein, dachte sie, ich bin doch zu neugierig. Und sie ging mit ihm. Aber sie ballte die Fäuste.

Die Gesellschaft hatte sich zerstreut. Der Leutnant führte sie durch ein dunkles Zimmer in Norberts Zimmer. Er zündete kein Licht an. Und küßte sie.

Ruth dachte in der Sekunde: Norbert – wie er mich liebt – sein Zimmer – die Braut – das Lied – also so ist das – aber die schwarzen Zähne – so ist das – Dabei schlug sie dem Leutnant mit der Faust ins Gesicht.

Er schrie auf, halblaut. Dann flüsterte er: – Gehen Sie, gehen Sie rasch. – Sie sagte: – Grüß Gott, Herr Leutnant und ging wieder in den Salon. Auf ihrer Hand war ein Blutfleck. Den wischte sie sorgsam ab in einem hellblauen Seidenvorhang. Dann mischte sie sich unter die jungen Mädchen.

Norbert kam und legte den Arm um seine Braut. Man sprach von Musik. Ruth sagte: – Onkel Gustav läßt Sie grüßen. Er hat eine ganze Menge Noten für Sie bei uns liegen lassen. Norberts Braut fragte interessiert: – Wer ist das? Ist das der sagenhafte Künstler, der so wunderbar Mozart spielt und den man niemals zu sehen bekommen kann.

Norbert war dunkelrot. Ruth sah ihn aufmerksam an und sagte: – Er hat heute nicht kommen können, weil er keinen reinen Kragen gehabt hat. Übrigens ist er kein Künstler, nur Zeichenlehrer an einer Mittelschule. Aber er ist mein Onkel.

Norbert ging den Leutnant suchen. Er kam bestürzt wieder. Der Leutnant habe heftiges Nasenbluten und liege auf dem Sopha in seinem Zimmer. Ruth schlich sich an Norbert heran: – Norbert, Sie dürfen niemanden etwas sagen, aber ich muß mir die Hände waschen. – Jetzt gleich? – Ja, aber schweigen Sie.