Norbert führte Ruth in das Badezimmer. Sie standen sich gegenüber in dem weißgekachelten, grellen Raum, der voll heißem Dunst war. Ihre Haare verdeckten die grünen Augen, so dicht hingen sie in die Stirne. Sie sah ihn an. – Wo ist heißes Wasser, ich möchte sehr heißes Wasser. – Hier, aber was ist Ihnen, was haben Sie? – Sehen Sie den Fleck da auf meiner Hand. Ich habe mich zuvor schon in einen Vorhang gewischt: Blut ist es. Vom Nasenbluten von ihrem Freund da. – Ruth, nein. – Doch, soll ich Ihnen den Vorhang zeigen? Im Salon rechts. Er hat mich geküßt in ihrem Zimmer und dann hat er auf einmal Nasenbluten bekommen. – Nein.
Er hatte sich abgewendet und seine hohe, zu gerade Gestalt wurde klein und verschwand im feuchtschweren Dunst. Aber irgend etwas stöhnte in dem Badezimmer.
Ruth wusch sich die Hände mit einer Bürste, daß das Wasser sprühte. – Sie sollten Ihre Braut nicht solche Lieder singen lassen.
Er schwieg. Und nach einer Weile: – Überhaupt, was Sie für Freunde haben. Schämen Sie sich.
Norbert wandte sich nicht um. Sie fühlte eine warme Welle um ihre Füße spielen, weich und kosend, die sich doch nicht traute, höher zu steigen. Er hielt den Kopf gesenkt. Sicher war er ganz rot. Warum schlug er sie denn nicht?
– Norbert, schauen Sie mich doch an, ob ich auch ganz rein bin. Er richtete seine hundetreue dunklen Augen auf sie, langsam, verzweifelnd, ergeben. – Auf Ihrem Schuh ist auch ein Fleck, Ruth. – Ach, was soll ich jetzt tun? Mich wieder beklexen?
Er kniete nieder und putzte ihr mit einem nassen Handtuch den Schuh, sehr sorgsam. Sie sah auf ihn herab und fühlte: immer habe ich gewünscht, es soll mir jemand Liebesgedichte machen. Aber das ist ja viel mehr. Und doch ist es furchtbar. Soll ich ihm sagen, daß ich den Leutnant geschlagen habe, oder soll ich ihn küssen, auf den braven Scheitel da – ach, Christus, hilf mir –
Da war Norbert fertig und sie gingen rasch wieder in den Salon.
Am nächsten Tag kaufte sie ein paar japanische Nelken und erwartete Norbert vor seinem Amt. – Ich muß Sie sprechen. – Ruth, ich werde Sie nach Hause begleiten. – Dort nicht, gehen wir in ein Kaffeehaus, ich will allein sein. – Nein aber – was würde Ihre Mutter sagen. – Dann auf Wiedersehen ... – Halt, Ruth, so bleiben Sie doch.
Sie gingen zusammen in ein Kaffeehaus. Er schielte ängstlich auf alle Tische. – Da, nehmen Sie die Nelken, sie gehören Ihnen. – Mir, nein ich verstehe Sie nicht, wie können Sie nur ... – Wahrscheinlich ist das auch nicht schicklich, aber nehmen Sie.